Modellierte Realität

Reto Buser: Tau II, 2014
In der Abteilung „Atmosphäre im Erdsystem“ des Max-Planck-Instituts für Meteorologie

Wie entsteht Tau? Reto Buser projiziert eine Computersimulation zur Taubildung auf eine speziell präparierte Fensterscheibe (Silber, Polyvinylalkohol)

Kleine blaue Punkte wachsen, verschmelzen mit benachbarten zu größeren und wachsen weiter. Diese simple grafische Animation ist eine aufwendige Computersimulation, die am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen zur Erforschung der Taubildung entwickelt wurde. Am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg  lernte Buser durch seine Bürokollegen ähnliche Methoden kennen, mit denen reale Vorgänge in der Atmosphäre in abstrakte Modelle übersetzt werden.
Dies brachte ihn auf die Idee einer „Tau-Simulation“.Die Simulation projiziert Reto Buser auf eine Fensterscheibe, auf der sich eine transparente Silber-Nanopartikel-Schicht befindet, die blaues Licht reflektiert. Dadurch zeichnet sich auf der Scheibe auf artifizielle Weise wiederum Tau ab. Durch die Kombination von Licht und Silber entsteht eine Illusion, die an die analoge Fotografie erinnert. Allerdings wird in dieser Installation Realität nicht imitiert, sondern modelliert.
Dr. Reto Buser hat an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich Biologie studiert und in Glykobiologie promoviert, bevor er sich für ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg entschied. Als Künstler und Wissenschaftler sieht er sich als Vermittler, der die Verwandtschaft beider Ansätze aufzeigen kann: „Den Wechsel zur Kunst empfand ich anfangs als Bruch. Später ist mir klar geworden, dass ich mich mit denselben naturwissenschaftlichen Phänomenen auseinandersetze – nur eben als Künstler.“