Schönheit ist relativ

Philip Prinz, Wagner, 2013/14
Backpapier, gerahmt
Am Institut für Bodenkunde der Universität Hamburg und auf dem Forschungsschiff Ludwig Prandtl

Hat festgestellt, dass er mit dem Ofen genauso spannende Bilder erzeugen kann, wie mit dem Pinsel: „Backpapiermalerei“ von Philip Prinz

Die künstlerische Praxis von Philip Prinz weist Ähnlichkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten auf, denn die Ergebnisse beider sind intersubjektiv überprüfbar und entstehen durch standardisierte Verfahren. Im vorliegenden Fall bedeutet das:

•    Backofen gut vorheizen, Umluft 200 °C
•    Folie entfernen, „Piccolinis“ der Firma Wagner auf das ausgebreitete Backpapier auf den mittleren Rost des Ofens legen
•    „Piccolinis“ ca. 9 - 11 Minuten goldbraun backen (die Backzeit kann je nach Ofentyp variieren)
•    Backpapier abkühlen lassen

Auf dem Papier zeichnen sich nun unterschiedlich hell- und dunkelbraun gefärbte, geometrische Formen ab, die auf einem regelmäßigen Raster angeordnet sind. Als gerahmte Arbeiten nebeneinander präsentiert erscheinen sie als abstrakte Malerei, die keine „Handschrift des Künstlers“ erkennen lässt. Damit ist Philip Prinz in einer konzeptuellen Tradition verankert, in der die Ausführung eines Kunstwerks und die Materialität weniger bedeutsam sind, als die Ausgangsidee. Gleichzeitig erinnern die runden Formen an die Stechringe, die am Institut für Bodenkunde der Universität Hamburg, an dem der Künstler zu Gast war, für Bodenproben verwendet werden.
Prinz, der Kunst und Geographie an der HFBK und an der Universität Hamburg studiert, hat sich auch mit dem ästhetischen Empfinden der Bodenkundler beschäftigt. „Die Wissenschaftler finden ihre Bodenproben selbst sehr schön; für mich hat das von der Ästhetik her altbacken gewirkt. Bei meinen Bildern ist es erst mal genauso, aber die Darstellungen schlagen den Bogen zur modernen Kunst, indem sie mit dem Tiefkühlpizzatrend die Konsumgesellschaft thematisieren.“