Fragile Analogie: Die Haut von Mensch und Erde

Laura Reichwald, Alles in allem, 2014
Video, 6:13 min
In der CliSAP-Arbeitsgruppe „Theoretische Meteorologie"

Theoretische Meteorologie hat die Künstlerin dazu veranlasst, mit den unterschiedlichen Dimensionen und Zeithorizonten von Haut und Gestein zu experimentieren

In ihrem experimentellen Dokumentarfilm „Alles in Allem“ untersucht Laura Reichwald die Analogie zwischen Mensch und Erde am Beispiel einer an Hautkrebs erkrankten Frau in einem Krankenhaus und einer Forschergruppe auf dem Vulkan Ätna in Sizilien. Sie stellt die beiden auf den ersten Blick so gegensätzlichen Welten gekonnt gegenüber und lässt die Grenzen verschwinden. Dabei orientiert sie sich an der wissenschaftlichen Methode des Multi-Scaling, die es dem Menschen ermöglicht, sowohl sehr große, als auch sehr kleine Objekte sowie die Mechanismen in ihnen sichtbar zu machen.
Laura Reichwald überträgt diesen Ansatz auf ihren Film: In Gegenschnitten zoomt die Kamera abwechselnd auf die Haut der Frau und die Gesteinsoberfläche des Vulkans, wodurch Haut- und Erdoberfläche scheinbar ineinander übergehen und der eigentlich wissenschaftliche Blick in poetischen Bildern aufgelöst wird. Oder sie filmt den Seismographen, der die Aktivität des Vulkangesteins zeigt und kontrastiert das mit den Aufzeichnungen des Herzschlags. Am Ende stirbt die Frau aufgrund der Krebszellen in ihrem Körper und ihre Asche wird auf dem Vulkan verteilt, wodurch beide Welten ineinander aufgehen.
Die Beschäftigung mit theoretischer Meteorologie und Quantenphysik hat die Künstlerin dazu veranlasst, mit den unterschiedlichen Dimensionen und Zeithorizonten von Hautzelle und Gestein zu experimentieren. „Erst Haut, dann Stein, das sind ganz unterschiedliche Skalen, man denkt, man ist am Stein ganz nah dran, und dann sieht man auf einmal einen Menschen durch das Bild laufen, der ist ganz klein, und man sieht wie groß der Stein ist.“

Der Film entstand in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Theoretische Meteorologie der Universität Hamburg und dem Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia – Sezione di Catania. Idee, Regie, Schnitt, Produktion: Laura Reichwald; Bildgestaltung: Markus Kloth; Kameraassistenz, Produktion: Georg Kußmann; Setton und Sounddesign: Patrick Dadaczynski; Farbkorrektur: Knipp Kühl.