Landschaftsimpressionen mit besonderen Brüchen

Jessica Leinen: Seestück mit Referenzwolke Nr. 1 - 12, 2014
Bleistiftzeichnung auf Papier, Audiosequenz
In der CliSAP-Arbeitsgruppe „Numerische Methoden in den Geowissenschaften“

Für ihre Bleistiftzeichnungen griff Jessica Leinen auf Simulationen von Wellenbewegungen zurück. Diese kombiniert sie mit alltäglichen Wassergeräuschen aus den Büros der Wissenschaftler. Hier ein Ausschnitt

Jessica Leinen studiert Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste. Als Visiting Artist Researcher beobachtete sie in der Arbeitsgruppe Numerische Methoden in den Geowissenschaften, wie Mathematiker und Physiker natürliche Phänomene berechenbar machen: Sie erstellen mathematische Beschreibungen von physikalischen, chemischen oder biologischen Prozessen, um anhand dieser Simulationen beispielsweise Klimaprognosen zu formulieren.
Den Aufenthalt am Exzellenzcluster nutzte Jessica Leinen vor allem, um sich mit dem Thema Visualisierung – der Verbildlichung von Klimaprozessen – vertraut zu machen. So untersuchte sie das Verhältnis von wissenschaftlicher und künstlerischer Bildproduktion. Die mathematischen Modellierer arbeiten ausschließlich mit abstrakten Gleichungen Für die zwölf Zeichnungen griff Leinen auf korrekte und fehlerhafte Simulationen vo Wellenberechnungen zurück. Sie überführte sie in naturalistische Zeichnungen, die ausschnitthaft an kartographische Darstellungen erinnern. Es sind Wellenformationen mit emporstechenden Spitzen oder symmetrischen Mustern, die immer mit einer Wolkenform kombiniert werden. „Die Wolke fügt das Seestück in die Idee einer möglichen Landschaft ein“, erklärt die Künstlerin.
Die begleitende Tonspur versammelt Geräusche alltäglicher Wasserquellen aus den Büros der Wissenschaftler. Kaffeemaschine, Wasserkocher, Toilettenspülung – die einzigen physischen Begegnung mit Wasser in ihrem Arbeitsalltag. Wie die Wissenschaftler ihre Beschreibung von Wellenbewegungen nicht mit der unmittelbaren Beobachtung einer natürlichen Welle an windigen Küsten beginnen, sondern mit einer mathematischen Berechnung, so findet auch der zeichnerische Prozess der Künstlerin nicht mehr „en plein air“ statt, sondern in abstrahierter Form anhand der Fehlersimulationen. Der Abgleich mit der Natur erfolgt erst im Auge der Betrachter.