Daten aus Papier

Hagen Schümann: Komp. 1-10, 2014
UV-Druck auf Aludibond, 150 x 150 cm

In der „Themenkoordination Stürme“ des Helmholtz-Zentrums Geesthacht

Hagen Schümann studiert seit 2008 Bildhauerei an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Als Visiting Artist Researcher war er in der „Themenkoordination Stürme“ des Helmholtz-Zentrums Geesthacht bei der Meteorologin Frauke Feser und ihrem Team zu Gast.

Die Auseinandersetzung mit Kunst und Wissenschaft führte Schümann zur Erprobung einer künstlerischen Methode zur Bildproduktion. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Felix Meyer Wolters entwickelte er ein Verfahren, eigene Daten zu generieren sowie einen Prozess, mit diesen umzugehen – in Anlehnung an die wissenschaftliche Methode, Daten nach strengen methodischen Regeln zu generieren. „Künstler sind auch Wissenschaftler – allerdings auf eine andere Art“, sagt er.
Für jedes Bild zerknüllten Schümann und Meyer Wolters 100 Blatt Papier im Format 30 x 30 Zentimeter, die sie anschließend mit einer beliebig ausgewählten Farbe lackierten. Danach wurden die Blätter aufgefaltet und 75 Stück ausgewählt, also 25 entfernt. Dieses Vorgehen wiederholten sie noch zwei weitere Male, so dass am Ende 25 Blätter mit drei unterschiedlichen Farbspuren übrig blieben, die in eine finale Komposition gebracht wurden. Am Ende wurde das fertige Bild in seinen 25 Einzelteilen eingescannt und mit Hilfe eines UV-Druckverfahrens auf gleich große Aludibondplatten übertragen. Diesen Arbeitsprozess führten die HFBK-Studierenden insgesamt 25-mal durch und entschieden sich am Ende für die Produktion von zehn Bildern.

Die jeweils 25 Quadrate lassen keine Rückschlüsse auf ihren Entstehungsprozess zu. Das abstrakte Motiv könnte als mikroskopische Detailaufnahme oder als Darstellung von Klimazonen gelesen werden. Denn nicht das endgültige Objekt steht bei dem Künstlerduo Schümeyer im Vordergrund, sondern der künstlerische Prozess. Die Arbeit ist das Ergebnis von bewusster Beschränkung bei größtmöglicher Freiheit: Bestimmte Festlegungen wurden als Grundstruktur gesetzt, beispielsweise die Entscheidung über das Ausgangsmaterial. Alle bildgebenden Mittel wie Form und Farbe dagegen wurden dem Zufall überlassen. Subjektiv getroffen wurden kompositorische Entscheidungen wie etwa über Auswahl und Anordnung.