Irritieren und inspirieren: Wissenschaftler und Künstler arbeiten zusammen

Im Rahmen einer ungewöhnlichen Kooperation nahmen sieben Studierende der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) am Forschungsalltag des Exzellenzclusters „Integrated Climate System Analysis and Prediction“ (CliSAP) der Universität Hamburg teil. Künstler und Klimaforscher kamen dabei ins Gespräch und stellten einander produktiv in Frage.

Die Künstler mit Friedrich v. Borries (HFBK, links) und Simone Rödder (CliSAP, rechts).

Die Idee entstand im Austausch zwischen Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie an der HFBK, und dem CliSAP-Projekt "Understanding Science in Interaction", kurz USI. USI beschäftigt sich mit interdisziplinären Arbeitsformen in der Klimaforschung: Wie können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen Fächern gemeinsam Probleme lösen? Gelingt die Zusammenarbeit oder reden sie aneinander vorbei? Neben der Wissenschaftsforschung verfolgt USI das Ziel, eine reflexive Perspektive in den Forschungsalltag am Exzellenzcluster zu bringen: "Wir versuchen Selbstverständlichkeiten bewusst zu machen und produktiv zu hinterfragen. Die Gastwissenschaftler von der HFBK – die Visiting Artist Researchers – sind hier ein wertvoller Zugewinn", sagt USI-Projektleiterin Simone Rödder.

„Die Klimaforschung soll nicht nur eine Herausforderung für die Künstler sein, sondern die Kunst auch für uns Klimaforscher.“

In der Galerie der HFBK stellten die Visiting Artist Researchers ihre Werke aus. Jessica Leinen war bei den mathematischen Modellierern zu Gast und fertigte Bleistiftzeichnungen an – auf Basis der Simulationen von Wellenbewegungen.

Die Visiting Artist Researchers begleiteten jeweils eine CliSAP-Arbeitsgruppe für mehrere Monate und nutzten diese Zeit für ihre künstlerische Arbeit. Im Oktober 2014 wurden die Ergebnisse in den Ausstellungsräumen der HFBK präsentiert. Auf dem abschließenden Symposium „Wissenschaft trifft Kunst“ ging es vor über 100 Zuhörern darum, das Projekt zu reflektieren und dabei kritisch zu hinterfragen, was Kunst für Wissenschaft und Wissenschaft für Kunst sein kann. Dabei kamen naturwissenschaftliche Klimaforscher ebenso zu Wort wie Sozial- und Kulturwissenschaftler, eine Kuratorin und ein Autor.In Zusammenarbeit mit der HFBK wurde zusätzlich ein Kolloquium ins Leben gerufen, an dem die Künstler gemeinsam mit ihrer CliSAP-Arbeitsgruppe teilnahmen. Im Mittelpunkt standen hier die Kunstprojekte: „So konnten beide Seiten die Perspektive wechseln. Die Klimaforschung sollte nicht nur eine Herausforderung für die Künstler sein, sondern die Kunst auch für uns Klimaforscher“, sagt Hans von Storch, Institutsleiter am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und einer der Initiatoren.

„Auch Künstler forschen. Nicht wissenschaftlich, sondern künstlerisch.“

Auf dem abschließenden Symposium ging es um das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst. Dabei wurden verschiedene Sichtweisen beleuchtet – von Natur- und Kulturwissenschaftlern ebenso wir von Künstlern oder Autoren.

Um den Forschungsaufenthalt am Exzellenzcluster hatten sich die Künstler und Künstlerinnen im Vorfeld beworben. Ausgewählt wurden die erfolgreichen Bewerber von einer Jury, der Vertreter aller beteiligten Institutionen angehörten. Hierzu zählten auch das Helmholtz-Zentrum Geesthacht und das Max-Planck-Institut für Meteorologie – zwei der sechs teilnehmenden CliSAP-Arbeitsgruppen sind an diesen Forschungseinrichtungen angesiedelt. HFBK-Professor Friedrich von Borries ist überzeugt, dass die Klimaforscher von dieser Zusammenarbeit ebenso profitieren wie die Kunststudierenden: „Auch Künstler forschen. Nicht wissenschaftlich, sondern künstlerisch. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ansätze kann für beide – Künstler und Wissenschaftler – eine Anregung sein, um die eigenen Methoden und Praxen weiterzuentwickeln.“

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