„Sozialwissenschaftliche Klimaforschung – quo vadis?“

12.06.2014

12. 6. 2014, Grindelberg 5, Raum 008

Ein Workshop der Integrated Activity „Understanding Science in Interaction"

Hier finden Sie das Workshopprogramm.
Hier finden Sie einen Bericht zum Workshop.

 

Abstracts

Klimawandel und Wissensmodellierung –Formen des Experimentierens unter dem Eindruck einer globalen Problemlage (Stefan Böschen, ITAS/KIT)

Der Klimawandel stellt eine Problemlage dar, welche die Fähigkeiten des Beobachtens, Deutens und Lösens auf eine harte Probe stellt. Für einige ist es ausgemacht, dass der Klimawandel gar kein zu lösendes Problem darstellt, andere kennzeichnen ihn als das unüberbietbare Problem. Vorwürfe von Hysterie, Aufforderungen zur Transformation –die Problemartikulationen scheinen keine Grenze zu kennen. Entsprechend vielfältig und verwirrend zeichnen sich zerklüftete Konstellationen von Diskursen, Technologien und institutionelle Reaktionen ab. Diese Zerklüftungen spiegeln sich in Lagen brüchiger Evidenz wieder. Ganz unabhängig davon, welche Evidenzrituale der IPCC im regelmäßigen Rhythmus der Großberichte aufführt, die Frage nach den Evidenzen für den Klimawandel und der Angemessenheit von Reaktionen auf diesen Wandel kann alles andere als einfach beantwortet werden. Ganz unstrittig ist: der Klimawandel stellt ein Phänomen dar, das auf einem komplexen Prozess der Wissensmodellierung basiert. Vor diesem Hintergrund rückt dieser Vortrag die Wissensmodellierung des Klimawandels in den Blick. Die These des Vortrags ist, dass sich diese Prozesse der Wissensmodellierung als kollektives Experimentieren beschreiben lassen. Dazu werden drei Argumente entfaltet. Erstens wird die Heuristik kollektiven Experimentierens konzeptionell dargestellt. Zweitens geht der Vortrag auf zwei ganz unterschiedliche Räume des Experimentierens ein. Zum einen auf den eher naheliegenden Fall des Experimentierens im globalen Maßstab bei der Erkundung von Modellen zur Analyse des Klimawandels. Zum anderen aber auch auf Prozesse kollektiven Experimentierens auf der Ebene von Gemeinden im Alpenraum. Drittens wird darauf aufbauend die Frage gestellt, inwieweit der Klimawandel als ein Netzwerk gekoppelter kollektiver Experimente beschrieben werden kann und soll. Die Antwort lautet ja. Die Begründung dieser Antwort ist Gegenstand des Vortrags.

 

Aus dem Schatten der Klimamodellierung – Zur Repolitisierung des Klimawandels durch Sozialwissenschaften (Silke Beck, UFZ)

DerBeitrag widmet sich der Rolle und den möglichen Beiträgen von Sozialwissenschaften im Kontext der Klima- und Future-Earth-Forschung. Am Beispiel der Klimaanpassungsforschung wird in einem ersten Schritt aufgezeigt, welche Rolle Sozialwissenschaften im Konzert der Klima- und Global-Change-Forschung von Seiten der Naturwissenschaften zugewiesen wird. Dazu skizzieren wir die naturwissenschaftlich dominierte Rahmung des Klimawandels im gegenwärtigen Diskurs und die damit verbundenen Engführungen hinsichtlich der Ursachen als auch der anpassungsbezogenen Forschung, die für die Anschlussfähigkeit sozialwissenschaftlicher Forschung nicht unerheblich ist. In einem zweiten Teil werden die Positionsbestimmungen und Selbstverortungen von sozialwissenschaftlicher Seite vorgestellt, den Anthropozän als sozialwissenschaftliches Terrain zu erobern.