Forschung: Zur Soziologie der Interdisziplinarität

Der Klimawandel ist ein Problem, das fachübergreifende Lösungen erfordert. Inter- und transdisziplinäre Forschungsansätze sollen diese Herausforderung angehen und Grenzen überwinden – innerhalb der Wissenschaft, aber auch gegenüber Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die grenzüberschreitende Kommunikation zwischen diesen Systemen ist daher ein Schlüsselthema für die Erforschung klimabezogener Wissensproduktion.

Das Projekt USI stützt sich auf theoretische Überlegungen aus der Gesellschaftstheorie und der Wissenschaftssoziologie. In der empirischen Forschung verwenden wir einen Multi-Methoden-Ansatz, der teilnehmende Beobachtung, Interviews und Textanalysen beinhaltet. Das Projekt besteht inhaltlich aus drei Teilstudien:

Unsere Forschungsprojekte

In dieser Teilstudie beobachten wir, wie sich bei jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die in interdisziplinären Promotionsprogrammen eingeschrieben sind, ein wissenschaftlicher Habitus entwickelt. Hierfür arbeiten wir mit disziplinären und interdisziplinären Graduiertenschulen in der Klima- und Erdsystemforschung zusammen.

In der organisationssoziologischen Teilstudie werden die Wechselwirkungen interdisziplinärer Strukturen mit der traditionellen – disziplinären – Organisation der Universitäten untersucht. Es ist eine zentrale Frage aktueller Diskussionen um eine „Neue Governance der Wissenschaft“, wie wissenschaftliche Wissensproduktion am besten organisiert und wie Förderlinien und Organisationsentwicklung gestaltet werden sollen. In welcher Beziehung stehen interdisziplinäre Forschungsverbünde wie die in der Exzellenzinitiative geförderten Exzellenzcluster zu den disziplinär strukturierten Universitäten?

Wissenschaftliche Kommunikation beginnt, wenn zwei Fachkollegen ein gemeinsames Experiment diskutieren und es in einer Fachzeitschrift veröffentlichen. Wissenschaftliche Kommunikation beinhaltet aber auch, Ergebnisse mit Kollegen aus anderen Fachrichtungen zu diskutieren und in multidisziplinären Zeitschriften zu veröffentlichen. Schließlich umfasst sie die schriftliche und mündliche Adressierung eines inter- oder auch transdisziplinären Publikums. Insofern ist populäre Wissenschaftskommunikation ein graduelles Phänomen. Ihre Auswirkungen auf das kommunizierte Wissen sind jedoch beträchtlich – umso beträchtlicher, so die Arbeitshypothese, je stärker die inter- oder transdisziplinäre Zusammenarbeit ausgeprägt ist. Erfolgreiche Kommunikation in inter- und transdisziplinären Kontexten benötigt sowohl eine andere sprachliche Rahmung als auch eine hochselektive Darstellung. Somit stellt sich die Frage, inwiefern vereinfachende und selektive Darstellungen einerseits die Produktion von klimabezogenem Wissen und andererseits politische Entscheidungen und Prioritäten beeinflussen.