Interview mit Nicole Kruse, Juni 2012

Nicole Kruse ist Doktorandin am Institut für Geographie an der Universität Hamburg. Sie ist Mitglied der CliSAP-Arbeitsgruppe "StarG - Sturmfluten als regionale Geohazards".

Profile Picture Nicole Kruse

Was waren bisher die wichtigsten Etappen in Ihrem Berufsleben?
Ich habe an der Universität Bonn Geographie studiert und mich mehr und mehr für Naturgefahren interessiert. Während eines Praktikums am Flood Hazard Research Centre (FHRC) in London konnte ich mich tiefergehend mit dem Thema Wassergefahren auseinandersetzen und die Arbeit in einem Forschungsteam miterleben. In meiner Diplomarbeit habe ich mich mit der Wahrnehmung von Sturmfluten beschäftigt und da diese in Bonn recht selten vorkommen, bin ich für diese Zeit ans Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht gegangen. Seit 2010 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geographie der Universität Hamburg.

Was ist Ihr wichtigster Beitrag für den Exzellenzcluster CliSAP?
Im Projekt "StarG" (Sturmfluten als regionale Geohazards) werte ich unter anderem Protokolle der Hamburgischen Bürgerschaft in Bezug auf den Umgang mit Sturmfluten aus. Im Rahmen meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich mit mentalen Konstruktionen von Klimawandel. Hierbei vergleiche ich die Konstruktionen der Experten mit denen der Bevölkerung, um möglichen Kommunikationsbedarf aufzudecken. An der CliSAP-Graduiertenschule SICSS (School of Integrated Climate System Sciences) bin ich zurzeit eine von drei Doktorandensprechern. Wir stellen das Bindeglied zwischen den Doktoranden und der Schulleitung bzw. dem SICSS-Komitee dar und unterstützen die Aktivitäten der Graduiertenschule.

Und andersherum gefragt – in welcher Hinsicht hat CliSAP Sie am meisten unterstützt?
An der Graduiertenschule SICSS sind Doktoranden ganz unterschiedlicher Disziplinen. CliSAP bietet daher eine gute Plattform, sich mit anderen Doktoranden auszutauschen – auch über die eigenen Fachbereichsgrenzen hinaus. Bisher kommt der überwiegende Teil der Doktoranden aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Als Geographin mit sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt fände ich es schön, in Zukunft mehr Doktoranden aus den Sozialwissenschaften dort zu treffen und die Verbindung der Natur- und Sozialwissenschaftler noch mehr zu stärken. SICSS steht für "Integrated Climate System Sciences" und das bedeutet meiner Meinung nach einen gleichwertigen Austausch zwischen Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Wie sieht die gegenwärtige Situation für Doktoranden im Exzellenzcluster CliSAP aus?
SICSS wächst und die Struktur der Graduiertenschule nimmt zunehmend Gestalt an. In Diskussion ist beispielsweise gerade eine Art "Integrated Learning Course", in dem sich Arbeitsgruppen, bestehend aus Dozenten und Doktoranden, ihre Arbeiten gegenseitig vorstellen. Das bietet eine gute Möglichkeit, um die verschiedenen thematischen Facetten innerhalb der Schule kennenzulernen und ein besseres Bild von der Schule als Ganzes zu bekommen.

Geht die CliSAP Graduiertenschule SICCS auf die speziellen Anliegen der Doktoranden ein?
Ja, ich denke, da gibt es eine Menge. Einmal im Jahr fahren wir für zwei bis drei Tage auf ein sogenanntes Retreat. Bei diesem Treffen stellen sich die neuen Doktoranden mit ihren Dissertationsthemen vor und im Rahmen von Arbeitsgruppen werden aktuelle wissenschaftliche Themen diskutiert. Ziel dieses Treffens ist das Kennenlernen und der Austausch zwischen den Doktoranden sowie die Möglichkeit, sich thematisch zu vernetzen.

In unregelmäßigen Abständen finden Besuche bei wissenschaftlichen Einrichtungen statt, um deren Forschungsaktivitäten kennenzulernen und sich thematisch austauschen zu können. Weiterhin werden viele Kurse angeboten. Für die Doktoranden aus den Sozialwissenschaften sehe ich in diesem Bereich allerdings noch Nachholbedarf. Das bisherige Angebot an Kursen ist hauptsächlich für die Naturwissenschaften zugeschnitten. Für die Sozialwissenschaftler darf es also gerne mehr werden. Die so genannten "Soft skill Kurse" wie "Scientific English" oder "Academic Writing"  finde ich wiederum gut, da diese für alle Studenten sinnvoll sind.

Wie funktioniert in CliSAP die Betreuung der Doktoranden?

Als erste Anlaufstelle sind da Oliver Dilly und und Berit Hachfeld als Koordinatoren der SICSS Graduiertenschule zu nennen. Die beiden sind auf einen reibungslosen Verlauf unserer Promotionen bedacht und kümmern sich um jegliche Art von Problemen. Sie unterstützen beispielsweise ausländische Doktoranden bei der Wohnungssuche oder helfen bei Finanzierungsfragen. Bei Bedarf unterstützen sie die Koordination der halbjährig stattfindenden Panel Meetings. Zu diesen Treffen kommen Doktorand, der Erst- und Zweitbetreuer und ein Panelchair zusammen und besprechend den aktuellen Stand der Doktorarbeit, inhaltliche und personelle Probleme und das weitere Vorgehen. Weiterhin kann jeder Doktorand finanzielle Unterstützung zur Teilnahme an Konferenzen oder Tagungen beantragen. 

Wieso haben Sie sich für die wissenschaftliche Laufbahn entschieden und warum speziell für die Hazardforschung?
Das Fach Geographie und hier insbesondere die Hazardforschung finde ich wahnsinnig spannend. Als Doktorandin habe ich die Möglichkeit, mich intensiver mit diesem Bereich zu beschäftigen und meinen eigenen Fragen nachgehen zu können.

Für welche Forschungszwecke würden Sie eine Million Euro verwenden?
Es mag vielleicht absurd klingen, aber mir schwirrt seit einiger Zeit die Idee eines Klimasimulators im Kopf herum, mit dem man die möglichen Folgen des Klimawandels, wie Temperaturzunahme, Starkregen, Hagel usw. und die hiermit verbundenen Konsequenzen erlebbar und spürbar machen kann. Für viele Menschen ist Klimawandel ein Phänomen, dessen mögliche Folgen momentan nicht greifbar sind. Vielleicht könnte solch ein Simulator helfen, sich besser vorstellen zu können, was Klimawandel bedeuten kann.

Was glauben Sie, welche Rolle die Wissenschaft in der Gesellschaft spielt?Wissenschaft und Gesellschaft sollten sich einander ergänzen. Meiner Meinung nach sollte sich die Wissenschaft bewusst sein, dass sie ein gewisses Privileg hat, neuen Dingen auf den Grund gehen zu können. Gleichzeitig sollte die Gesellschaft aber auch einen Nutzen von den Ergebnissen der Wissenschaft haben.

Was möchten Sie gerne beruflich in 10 Jahren tun?
… da lass ich mich überraschen!

Das Interview führten Prof. Dr. Hans von Storch, Leiter am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und Prof. Dr. Mike S. Schäfer, Leiter der Arbeitsgruppe "Media Constructions of Climate Change" am Exzellenzcluster CliSAP.