Interview mit Prof. Dr. Michael Funke, Juni 2011

Michael Funke ist seit 1995 Professor für Makroökonomie und angewandte Ökonometrie am Fachbereich Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg.

Profile Picture Michael Funke

Was sind bislang die Hauptstationen Ihres beruflichen Werdegangs?
Zu Beginn der 1990er Jahre wurde ich zum Professor für Volkswirtschaftslehre an der neu gegründeten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Seit Mitte der 1990er Jahre habe ich den Lehrstuhl für Makroökonomie und angewandte Ökonometrie am Fachbereich Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg inne. Zurzeit bin ich zudem Vorsitzender im Ausschuss für Makroökonomik des Vereins für Socialpolitik.

Worin besteht Ihr Hauptbeitrag zu CliSAP?

Die Analyse des vom Menschen verursachten und des natürlichen Klimawandels trifft auf erhebliche Unsicherheiten. Diese müssen berücksichtigt werden, um zu sinnvollen wirtschaftspolitischen Empfehlungen zu gelangen. Unser Hauptbeitrag zu CliSAP besteht darin, formale Rahmen und Methoden bereitzustellen, um die Klimapolitik unter Unsicherheit zu analysieren. Zudem sind extreme Ereignisse eine wichtige Verbindung, über die das Klima und das Wirtschaftssystem interagieren. Dafür stellen wir mathematische Simulationsmodelle zur Verfügung. Diese erlauben eine Diskussion über den Klimawandel – basierend auf der Annahme, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Schäden, die durch extreme Ereignisse verursacht werden, ändern wird.

Und umgekehrt: Wie hat CliSAP Ihnen am meisten geholfen?
Im Kern geht es in der Ökonomie darum, Entscheidungen zu treffen. Man nimmt an, dass sich ökonomische Akteure rational verhalten und Entscheidungen treffen, die den erwarteten Nutzen auf Basis der vorhandenen (unsicheren) Informationen maximieren. Je genauer die verfügbaren Informationen sind, desto besser können Entscheider die Folgen prognostizieren, die mit möglichen Entscheidungen einhergehen. Und somit können sie bessere Entscheidungen treffen. Multi-disziplinäre Klimaprognosen stellen daher eine Fülle von Möglichkeiten bereit, um zukünftige Handlungsoptionen besser zu verstehen.

Welche Rolle spielt die Wirtschaftswissenschaft in der Klimawissenschaft?

Der Klimawandel ist eine wesentliche Herausforderung für das Überleben der menschlichen Zivilisation. Für die ökonomische Theorie und Praxis stellt er ebenfalls eine entscheidende Herausforderung dar. Die Wirtschaftswissenschaft kann sich dieser Herausforderung tatkräftig und effektiv stellen. Mit theoretischer Robustheit und ökonometrischer Analyse zeigt sie, wie wir wirtschaftliche Anpassungen ermöglichen und handhaben können, die zur Bekämpfung des Klimawandels nötig sind.

Verstehen die anderen Wissenschaftsdisziplinen von CliSAP, wie zum Beispiel die Sozial- und Naturwissenschaften, das Paradigma der Wirtschaftswissenschaft? Erkennen sie, welches Potenzial die Beiträge Ihres Fachgebietes haben?
Betrachtet man die Komplexität der ökonomischen und ökologischen Interaktionen, die dem Thema Klimawandel zugrunde liegen, so kann ein einziges Modell nicht auf alle Fragen eingehen, die die ökonomische Analyse des Klimawandels betreffen. Aber selbst wenn ein naturwissenschaftliches Modell als wahr angesehen wird, muss man sich dann zwangsläufig mit der Ökonomie der optimalen Politik beschäftigen. Dieser wichtige Schritt, der eine Bewertung ermöglicht, ist nun weitgehend anerkannt.

Warum brauchen wir mathematische Modelle?

Klimapolitik muss verstehen, wie sich der Klimawandel auf die Menschen sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern auswirken wird. Klimamodelle sind ein wichtiges Werkzeug, um mögliche Klimaszenarien zu simulieren. Sie können auch genutzt werden, um Prognosen über das zukünftige Klima zu entwickeln. Und das gewonnene Wissen kann wiederum dazu beitragen, nationale und internationale klimapolitische Entscheidungen zu treffen.

Wenn Sie einmal zurückblicken: Was waren Ihrer Meinung nach die bedeutendsten, aufregendsten oder überraschendsten Entwicklungen in der ökonomischen Analyse des Klimawandels?
Dass Klimaökonomie vollkommen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde.

Was denken Sie, ist die Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft?
Eine nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn Wissenschaftler Lösungsvorschläge liefern und zusammen daran arbeiten, diese zu realisieren. Um sich der Klimaherausforderung zu stellen, benötigen Entscheider interdisziplinäre Ansätze und Strategien, die Fachrichtungen und politische Standpunkte überwinden.

Worin besteht „gute“ Wissenschaft?

„Gute“ Wissenschaft versucht, neue Fragen zu beantworten und erreicht das, indem sie falsifizierbare Hypothesen entwickelt. Forschung, die nicht stets widerlegt werden kann, ist keine „gute“ Wissenschaft. Zudem basiert „gute“ Wissenschaft auf einem Prozess von Veröffentlichung und Prüfung durch Fachkollegen.

Was würden Sie einem jungen Forscher empfehlen, der überlegt, sich auf Klimaökonomie zu spezialisieren?
Entwickle ein Thema, um das Du Deine Forschung gründest. Sei zugleich aufgeschlossen. Lies großzügig in verwandter Literatur, stelle Fragen, wohin sich das Fachgebiet entwickelt. Und arbeite mit jemandem, der etabliert ist oder andere Fähigkeiten hat als Du, zum Beispiel mit jemandem, der sich mit einem anderen Fachgebiet auskennt. Suche Dir einen etablierten Betreuer, der nicht versucht, Dich klein zu machen, sondern stolz auf Dich ist und einen Sinn für Praxisbezug hat.

Das Interview wurde geführt von Prof. Dr. Hans von Storch, Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und von Jun.-Prof. Dr. Mike S. Schäfer, Leiter der Arbeitsgruppe ‘Media Constructions of Climate Change’ am Exzellenzcluster CliSAP.