Interview mit Anke Allner, Januar 2012

Anke Allner ist geschäftsführende Direktorin des Exzellenzclusters. Die promovierte Meteorologin hatte zuvor die Jacobs University in Bremen mit aufgebaut. Mit ihrem Office kümmert sie sich um die strategische Koordination des Clusters.

Profile Picture Anke Allner

Bitte beschreiben Sie Ihre Funktion in CliSAP!
Im September 2010 habe ich die CliSAP-Geschäftsführung übernommen. Meine zentrale Aufgabe ist zum einen das operative Management des Clusters. Zum anderen arbeite ich daran, den Cluster innerhalb der Universität und mit unseren Partnern zu vernetzen. Auch die Sichtbarkeit von CliSAP in der Öffentlichkeit sicherzustellen, gehört zu meinem Aufgabengebiet. Gleichzeitig unterstütze ich mit meinem Office die strategische Forschungskoordination und die nachhaltige Verankerung des KlimaCampus in Hamburg. 

Welcher Weg hat Sie in diese Funktion geführt?
Bereits während meines Meteorologiestudiums in Hamburg wurde ich Mutter zweier Söhne. Meine berufliche Laufbahn führte mich über verschiedene Stationen wie dem Max-Planck-Institut für Meteorologie und dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik im Jahr 2001 an die Jacobs-University in Bremen. Dort habe ich als Direktorin die School of Engineering and Science mit aufgebaut. Nachdem der jüngere meiner Söhne 2010 sein Studium in Lübeck begonnen hatte, habe ich mich beruflich neu orientiert und mir den Traum erfüllt, meine fundierten Kenntnisse im Wissenschaftsmanagement hier in Hamburg in der Klimaforschung einzusetzen.

Wo liegen die wesentlichen Herausforderungen?
Die Herausforderung liegt in der Vielfalt der Aufgaben: ich steuere Projekte in Forschung und Lehre, führe und betreue Mitarbeiter und treibe die strukturelle Entwicklung des KlimaCampus voran. Hier zwei aktuelle Beispiele: Derzeit befinden wir uns im Endspurt der ersten DFG-Förderphase. Jetzt heißt es, das Erreichte zu konsolidieren, gleichzeitig aber Kontinuität und eine erfolgreiche Fortführung des Projekts zu gewährleisten. Das Projekt CliSAP ist Keimzelle und treibende Kraft für die Institutionalisierung des KlimaCampus. 
2011 wurden das Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit
(CEN) und das Centrum für Globalisierung und Governance (CGG) gegründet – beides Forschungszentren der Universität, die sich mit Fragen der Klimaforschung befassen. Die Organisationsentwicklung des CEN, dem universitären Anteil des KlimaCampus, läuft auf Hochtouren. Parallel dazu arbeiten wir zusammen mit unseren Partnern an der Institutionalisierung des KlimaCampus. 

Wie machen sich die verschiedenen Kulturen von Natur-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Ihrer Arbeit bemerkbar?
Während der ersten Phase von CliSAP  gab es die großartige Chance, im Rahmen von Flexpoolprojekten interdisziplinär zu forschen. Damit ist übergreifendes Denken allgegenwärtig, aus dem sich neue Methoden entwickeln. Ich staune angesichts der ganz neuen Ansätze und Einblicke und freue mich, an dieser Entwicklung teilhaben zu dürfen. 

Wie gestaltet sich die Arbeitsteilung zwischen dem CliSAP-Office, dem Sie vorstehen, und dem Scientific Steering Committee des Clusters?
Das Scientific Steering Committee entscheidet über die strategische Ausrichtung des Clusters. Das Office kümmert sich dagegen um die operative Umsetzung und bereitet die strategischen Entscheidungen vor.

Was sind für Sie die größten Erfolge von CliSAP?
Die Menschen stehen für mich im Vordergrund. Beispielsweise die Wissenschaftler, die in den 10 neue CliSAP Forschungsgruppen arbeiten, mit denen neue, bisher nicht repräsentierte Themen bearbeitet werden. Auch die Neuausrichtung der Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen auf übergreifende Themen sehe ich als einen Erfolg an. Doch viel wichtiger sind die motivierten Mitarbeiter, die die Forschung unterstützen und tragen und Spaß daran haben, interdisziplinär zu forschen.
Dafür gibt es viele Beispiele: Beobachter, wie zum Beispiel Bodenkundler, arbeiten mit Klimamodellierern oder Physiker mit Wirtschaftswissenschaftlern zu-sammen – das ist lebendige Interdisziplinarität. Der größte Erfolg für mich: Dass es uns mit dem Projekt gelungen ist, gemeinsame Begeisterung für das Thema geweckt zu haben.    

Welches sind die größten Defizite von CliSAP?
Ich denke anders: Was sind die Optimierungspotenziale? Wie und wo können wir noch besser werden? Vor allen Dingen wünsche ich mir noch mehr Gemeinschaftssinn. Auch sollten wir uns damit beschäftigen, wie man in einem interdisziplinären Projekt die Synthese fördern kann und wie wissenschaftliche Qualität sichergestellt und beurteilt werden kann. Wie gelingt uns beispielsweise eine kritische Selbstreflexion? Hier gibt es in der zweiten Förderphase noch viel zu tun.

Was würden Sie, wenn Sie allein entscheiden dürften, in CliSAP anders organisieren?
Ich würde mehr Raum für Flexibilität lassen, um neue, innovative Ideen anschieben zu können. Außerdem würde ich die Karriereplanung unserer Nachwuchswissenschaftler mehr unterstützen. Dabei steht für mich wieder der Mensch im Vordergrund: die individuelle, kontinuierliche Betreuung jedes Einzelnen in seiner Rolle als Wissenschaftler und Arbeitnehmer.

Wird der Antrag für die zweite Runde erfolgreich sein? Welches sind die kritischen Faktoren?
Ja! Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir mit unserem Konzept erfolgreich sein werden. Sicher gibt es einige kritische Faktoren, zum Beispiel, dass der im ersten Antrag avisierte Neubau bisher nicht realisiert werden konnte. Aber auch in diesem Punkt denke ich, dass unser Neubaukonzept KlimaCampus, das jetzt steht und dessen Umsetzung in Arbeit ist, überzeugen wird. 

Sie kennen aus eigener Anschauung zwei Universitäten in einigem Detail – die Jacobs Universität in Bremen und die Universität Hamburg. Wie vergleichen sich beide?
Die Jacobs University habe ich seit ihrer Gründung begleitet. Hochmotivierte junge Wissenschaftler, deren übergeordnetes Ziel Exzellenz in Forschung und Lehre ist, haben sich für den Aufbau der Universität eingesetzt. Dieser Gründungs-Enthusiasmus, kombiniert mit kurzen Entscheidungswegen, war und ist beeindruckend. Im Gegensatz dazu geht es an der Universität Hamburg darum, in gewachsenen Strukturen Exzellenz zu erreichen. Das ist recht zäh und schwer. Umso mehr ist das, was wir bisher erreicht haben, eine großartige Leistung. 

Wie beurteilen Sie die Idee des „KlimaCampus Hamburg“?
Für mich ist „KlimaCampus Hamburg“ das Synonym für Klimaforschung in Hamburg. Mit dem Nukleus CliSAP und den daran beteiligten Partnern Max-Planck-Institut für Meteorologie, Deutsches Klimarechenzentrum und Helmholtz-Zentrum Geesthacht ist der Grundstein gelegt. Mittlerweile gehören auch Teile des Deutschen Wetterdienstes und des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie dazu. In der zweiten CliSAP-Projektphase wollen wir die Liste der Partner erweitern und den Verbund formalisieren. Damit ist der Forschungsleuchtturm Klimawissenschaften in Hamburg national und international sichtbar. 

Was halten Sie von unserer Interviewserie?
Die Interviewserie hilft mir, die verschiedenen Facetten und Gruppen besser zu verstehen und trägt damit zur Corporate Identity bei. Ich freue mich, dass dabei nicht nur die wissenschaftlichen Höhepunkte thematisiert werden, sondern die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Kollegen.


Das Interview wurde von geführt von Prof. Dr. Mike S. Schaefer, Leiter der Arbeitsgruppe "Media Constructions" am KlimaCampus Hamburg und Prof. Dr. Hans von Storch, Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht.