Wie geht es der Kaffeeplantage im Klimawandel?

28.06.2017

Ein neues Werkzeug, das am Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit entwickelt wurde, liefert Entscheidungshilfen für Landwirte. Wie geeignet ist ihr Land für den Kaffeeanbau? Ein Gespräch mit Geoökologin und CliSAP-Forscherin Dr. Livia Rasche:

Kaffee mag es gern warm und lehmig. In Zukunft könnten geeignete Anbauflächen weniger werden.
Geoökologin und CliSAP-Forscherin Dr. Livia Rasche hat mit ihrem Team ein Werkzeug als Hilfe für den Kaffeeanbau entwickelt.

Können Sie noch unbefangen Kaffee trinken?
Kann ich! Aber ich denke schon darüber nach, ob ich ihn in Zukunft noch trinken kann. Und wieviel er dann kostet.

Warum?
Wir erforschen gerade, was mit dem Kaffee passiert, wenn sich das Klima ändert. Für Mittelamerika ist absehbar, dass sich die dafür geeigneten Flächen verringern werden.

Welche Flächen sind das?
Sie haben am besten eine Temperatur von 18 bis 23 Grad Celsius im Jahresdurchschnitt, ausreichend Niederschlag, einen bestimmten pH-Wert im Boden und gern Lehm- und Ton-Anteile. Sandboden mag der Kaffee gar nicht.

Aber das wissen Kaffeebauern- und bäuerinnen sicher aus Erfahrung. Wozu brauchen sie ein Landeignungsmodell?
Wir haben erstmals ein effektives Werkzeug zur Entscheidungshilfe entwickelt. Damit kann relativ einfach bestimmt werden, ob der Kaffeeanbau auf einer neuen Fläche erfolgreich sein wird. Gleichzeitig kann ich Veränderungen einspeisen. Ich erwarte zum Beispiel in zehn Jahren eine erhöhte Temperatur und mehr Trockenperioden auf meinem Kaffeefeld. Lohnt sich der Anbau dann noch?

Und was antwortet das Modell?
Das Modell kann für Mittelamerika in ganz geringer Auflösung eingesetzt werden, also tatsächlich für den eigenen Acker. Ich brauche allerdings die Daten, also pH-Wert, mittlere Temperatur, Niederschlag und Bodenbeschaffenheit in meiner Region. Ein großer Vorteil des Modells: Weiß ich den Wert nicht, kann ich eine Spannbreite angeben.
Das Modell errechnet dann, wie geeignet ein Gebiet für den Anbau von Kaffee ist – bei uns ist das die Sorte Coffea arabica. Es liefert einen Wert zwischen Null und 100 Prozent. Bei mehr als 60 Prozent kann ich anbauen, alles über 90 Prozent verspricht sehr guten Ertrag.

Was steckt dahinter?
Mein Team arbeitet mit so genannten Bayes´schen Netzen, eine mathematische Methode zur Bestimmung von Wahrscheinlichkeiten. Diese Netze helfen, eine optimale Entscheidung zu treffen, wenn mehrere Faktoren zusammenspielen. Bei der Kaffeebohne haben wir die einzelnen Faktoren gruppiert und gewichtet. Die Gewichtung ermittelten wir dabei aus früheren Studien zum Anbau von Kaffee. Zusammengefasst hängt der Erfolg von Kaffee zu 49 Prozent vom Klima, zu 36 Prozent vom Boden und zu 15 Prozent von der Landform, etwa wie steil ein Hang ist, ab.

Wie kommen die Landwirte an das Modell?
Unser Werkzeug ist online frei zugänglich. Die Methode kann in Zukunft auch recht einfach auf andere Regionen oder Nutzpflanzen angepasst werden.

Interview: Stephanie Janssen

Fachartikel: Leonel Lara Estrada, Livia Rasche, Uwe A. Schneider (2017): Modeling land suitability for Coffea arabica L. in Central America; Environmental Modelling & Software, Volume 95, 2017, Pages 196–209

Landeignungs-Modell

Kontakt:
Dr. Livia Rasche
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Universität Hamburg
Grindelberg 5
20144 Hamburg
+49 40 42838 7243
livia.raschedummy@uni-hamburgdummy2.de