Umweltforschung und Klimapolitik: Wie sich Handlungen und Entscheidungen mit agentenbasierten Modellen erforschen lassen

14.03.2017

Welche Strategien verfolgen verschiedene Akteure angesichts von Umweltproblemen und welche Interaktionen ergeben sich daraus? Welche Formen von Konflikt und Kooperation gibt es in der Klimapolitik und wie lässt sich das Handeln auf unterschiedlichen Ebenen oder in sozialen Netzwerken erfassen? Der renommierte Ökonom Nicholas Stern sieht in den sogenannten agentenbasierten Modellen ein großes Potenzial, diese auf Herausforderungen in der Umwelt- und Klimapolitik anzuwenden. Als Agenten sind dabei Subjekte oder Objekte mit Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten zu verstehen – zum Beispiel Personen, Gruppen sowie auch größere Einheiten wie Staaten. Am 10. und 11. März kamen mehr als vierzig Forscherinnen und Forscher zu einem internationalen CliSAP Workshop in Hamburg zusammen, um sich über aktuelle Ergebnisse und Kontroversen auszutauschen.

Pionier auf dem Gebiet der agentenbasierten Modelle: Prof. Emeritus Klaus G. Troitzsch bei seinem Vortrag über Strategien zu CO2-Reduzierung und Anreizmechanismen in der Klimapolitik
Dr. Sascha Hokamp von der Forschungsstelle Nachhaltige Umweltentwicklung hat den Workshop zusammen mit seinem Kollegen Prof. Jürgen Scheffran initiiert.
Konflikt oder Zusammenarbeit im Bereich Klima und Umwelt: Prof. Jürgen Scheffran vom Institut für Geographie bei seinem Vortrag über Agenten und soziale Netzwerke

In ihren Beiträgen präsentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre agentenbasierten Simulationsmodelle, in denen sie soziale Zusammenhänge mit Bezug zum Klimawandel untersuchen. Im Gegensatz zu anderen Arten der Modellierung gehen agentenbasierte Modelle dabei von der individuellen Perspektive aus, woraus sich soziale Verbindungen und Muster entwickeln. Eine Volkswirtschaft etwa lässt sich durch die Wechselwirkung zahlreicher verschiedener Agenten simulieren, die autonome Entscheidungs- oder Handlungsmöglichkeiten haben. Mit der Methode der computergestützten Simulation besteht die Möglichkeit, die Verknüpfung zwischen der Mikro- und der Makro-Ebene explizit zu modellieren und zu untersuchen – also zum Beispiel zwischen Verbrauchern, Märkten oder Staaten.

„Wir freuen uns sehr, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA ihre aktuellen Forschungsarbeiten auf unserem CliSAP-Workshop vorgestellt  haben“, sagt Dr. Sascha Hokamp, einer der beiden Organisatoren. „Die Bandbreite der Themen und Anwendungsmöglichkeiten war dabei äußerst vielfältig: Klimawandel und Migration, Land- und Wassernutzung, erneuerbare Energien, nachhaltige Investitionen, städtischer Verkehr und Elektromobilität sind nur einige Beispiele“, ergänzt sein Kollege Prof. Jürgen Scheffran . „Es hat sich gezeigt, dass agentenbasierte Modelle wichtige Beiträge zur Untersuchung offener Forschungsfragen in den Bereichen Klima und Umwelt leisten können. Dies ermöglicht vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, besonders in der Mikroperspektive zur Modellierung von Individuen.“ Bei der abschließenden Diskussion kamen die Teilnehmer zu dem Fazit, dass ein Nebeneinander von Methoden und Ansätzen wünschenswert ist. Vor allem aber sind sie an einer Fortsetzung des Workshops interessiert, um an den erfolgreichen Austausch in Hamburg anzuknüpfen.

zur Workshop-Webseite

Kontakt

Dr. Sascha Hokamp
Prof. Jürgen Scheffran