„Rein mit den Flossen“ - Experimente zur Bodenkunde beim Tag der offenen Tür

04.02.2015

Feuchte Gartenerde, feiner Sand, schmieriger Lehm – zum ersten Tag der offenen Tür ihres Instituts erklärten Bodenkundler der Universität Hamburg, wie und warum sie Böden erforschen. Mehrere Schulklassen und zahlreiche Besucher nutzten das Angebot. Das Institut beteiligte sich so am „Internationalen Jahr des Bodens“ der Vereinten Nationen.

Plastetüte mit Gartenerde zur Beprobung
Visitors brought soil samples from their gardens to analyze them.
Sieht aus wie Kaffee. Es sind aber Bodenproben.
Schüler sieben den Sand sehr fein, dann kommt Wasser hinzu.
Es kommt auf jedes Gramm an! Das Mädchen wiegt Boden für die ph-Probe.

„Ist das Ton?“, fragt fachmännisch ein Junge von zwölf Jahren und schaut den Bodenkundler hinter dem Tisch neugierig an. „Das ist Schluff“, korrigiert der Wissenschaftler freundlich. „Fühl mal.“ Der Junge gräbt seine Hände in die mehlig-feuchte Bodenprobe. „Anfassen und Mitmachen“ ist das Motto des Tages. Der Junge gehört zur AG Schul- und Stadtteilgarten an der Stadtteil-Schule Hamburg-Mitte. Heute hat die Gruppe den Garten gegen die Uni getauscht. Gruppenleiter Georg Friedrich Horn trommelt die Schülerinnen und Schüler der fünften bis siebten Klasse zusammen. Es geht jetzt nach oben in die Labore.

„Ich freue mich sehr, dass unser erster Tag der offenen Tür so gut angenommen wurde“, sagt Prof. Eva-Maria Pfeiffer. Sie ist Direktorin des Instituts und stellvertretende Sprecherin des Exzellenzclusters CliSAP. Böden seien ein zentraler Bestandteil des Naturhaushalts und zugleich schützenswerte Archive der Natur-, Landschafts- und Kulturgeschichte. Es handele sich um eine wichtige Lebensgrundlage für Pflanzen, Mikroorganismen, Tiere und Menschen. „Kurz gesagt: Ohne Böden läuft nichts“, so Pfeiffer. Gleichzeitig trage der Mensch hier eine große Verantwortung. Deshalb unterstütze das Institut die Initiative der Vereinten Nationen, Böden stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen.

Inzwischen ist die Gruppe die Treppen hochgestiegen und bei Angela Maier angekommen. In ihrem Labor geht es um die Frage: „Wieviel Wasser kann mein Boden halten und speichern?“ Auf die Kinder wartet ein gelber Sand, den sie sieben sollen. So lässt sich die Bodenart bestimmen, die von den enthaltenen Korngrößen abhängig ist.  Der Sand rieselt durch ein Labor-Sieb mit vier Etagen. Im obersten Sieb bleibt der Grobsand hängen, in den Etagen darunter sammeln sich jeweils Mittelsand, Feinsand, Ton und zuletzt der sehr feine Schluff. „Da ist ja Gold drin!“, entfährt es einer Schülerin, als Maier die gröbsten Körner zur Ansicht auf ein weißes Blatt Papier rieseln lässt. „Leider nein“, lächelt Maier.

„Jetzt kommt der spaßige Teil!“, lockt Simon Thomsen die Gruppe einen Tisch weiter. Die Schüler sollen nun fühlen, welcher von zwei Böden feuchter ist. „Rein mit den Flossen“, ermuntert Thomsen ein Mädchen, das noch unentschlossen vor dem Glas mit dem Matsch steht. Die Kinder machen so Bekanntschaft mit der Fingerprobe – im Feld die einfachste Möglichkeit, den Boden zu bestimmen. Hierfür setzt der Wissenschaftler dem Boden Wasser hinzu und knetet ihn leicht. Ton beispielsweise ist gut formbar und klebrig, Sand hingegen schlechter formbar und mehlig.

Die Schulgarten-Gruppe hat selbst Bodenproben mitgebracht und trägt die Ergebnisse der Untersuchungen auf einem Zertifikat ein. Für Bodenfarbe, Humusgehalt und Körnung haben sie bereits Ergebnisse. Nun geht es in den fünften Stock, wo sie den ph-Wert und die elektrische Leitfähigkeit ihrer Gartenerde bestimmen wollen. Geduldig erklärt eine Wissenschaftlerin hier immer wieder die gleichen Schritte: Becher beschriften, wiegen, zehn Gramm Boden einfüllen, mit Calciumchlorid versetzen. Anschließend misst sie den pH-Wert.

Gruppenleiter Horn hört interessiert zu, wenn es um die Ergebnisse der Experimente geht. Denn im Schulgarten werden die Kinder  selbst zu Forschern. Sie setzen den Böden Bio-Kohle, Basalt und Tonmehl als Dünger hinzu und lassen auch mal ein Stück Erde brach liegen. So möchten sie „gesunde und lebendige Böden“ schaffen, wie Horn sagt. „Die Kinder sollen lernen, dass die Ernährung des Bodens der Schlüssel zur Bodengesundheit ist. Wir wollen die Zahl der Mikroorganismen erhöhen und so die Bodenfruchtbarkeit steigern.“ Der Tag am Institut ist nun fast vorbei. Die Waffeln in der Pause waren lecker. Am besten aber war das Sieben, sagt die zwölfjährige Jenny.

Das Institut für Bodenkunde ist Mitglied im Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg.

 

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