Online täglich frisch: Welche Länder berichten über Klimawandel?

12.04.2017

Erstmals gibt es eine Datenbank, die Trends in der weltweiten Online-Berichterstattung zum Thema Klimawandel zahlenmäßig erfasst und visualisiert. Der Online Media Monitor (OMM) gibt täglich für 23 Länder aus fünf Kontinenten den Anteil von Klimawandel-Artikeln an und verfolgt die Klimadebatte auf Twitter. Professor Michael Brüggemann und das Integrated Climate Data Center haben am Exzellenzcluster für Klimaforschung (CliSAP) der Universität Hamburg das neue Tool entwickelt, das nun online frei zugänglich ist.

Weltkarte der Berichterstattung: Am 10. April 2017 befassen sich in den USA drei Prozent der untersuchten Online-Artikel mit dem Klimawandel.

Redet Indonesien mehr über den Klimawandel als Schweden? Und warum berichten die untersuchten polnischen Medien so wenig über den Klimawandel? Auf einer Zeitskala gibt der OMM den prozentualen Anteil an Klimawandel-Artikeln in der Berichterstattung an. Es lassen sich verschiedene Länder eines Kontinents vergleichen. Zusätzlich gibt es eine Weltkarte, die die Stärke der Berichterstattung vom Vortag anzeigt. Wertet man die seit Januar erhobenen Daten aus, dann ist der Anteil der Artikel in Indonesien mit 1,3 Prozent knapp doppelt so hoch wie in Schweden mit 0,7 Prozent.

Ausgewertet werden pro Land meist zwei führende journalistische Medien, die überregionale Nachrichten online verbreiten. Der OMM zählt täglich die Artikel zum Thema Klimawandel. Gleichzeitig ermittelt er deren Anteil am gesamten Output der jeweiligen Zeitung. Frühere Untersuchungen hatten oft nur die absolute Zahl von Artikeln in gedruckten Zeitungen ermittelt. „Viele verlassen sich dabei auf kommerzielle Datenbanken, in denen zum Beispiel Artikel von Nachrichtenagenturen fehlen. Der OMM ergänzt die bestehenden Analysen mit einem besseren Blick auf die Online-Debatten in journalistischen Angeboten und auf Twitter“, sagt Brüggemann.

Wie unterscheiden sich die Länder – und warum?

Bereits seit Anfang 2016 bietet das OMM-Team eine Analyse der Twitter-Kommunikation zum Thema Klimawandel. Die Auswertung zeigt zum Beispiel den am häufigsten geteilten Tweet des Tages und die beliebtesten Links zum Thema. Im Jahresrückblick wird deutlich, wie die Spitzen der Berichterstattung vom US-amerikanischen Wahlkampf und dem späteren Präsidenten Trump dominiert werden.

Über die reine Analyse von Häufigkeiten hinaus, wird das Team um Brüggemann die Online-Debatten international vergleichen. „Wir wissen, dass Weltklimakonferenzen kurzzeitig die Aufmerksamkeit der Medien erregen. Aber schauen die Journalisten ihren Regierungen auch weiterhin auf die Finger, wenn es um die Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen und den Umbau der Energiewirtschaft geht?“, so Brüggemann. „Auf lange Sicht interessiere ich mich mehr für die Berichterstattung im Normalbetrieb. Wie unterscheiden sich da die Länder – und warum?“

 

Der Online Media Monitor (OMM):

 

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Brüggemann
Kommunikationswissenschaft, Klima- und Wissenschaftskommunikation
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; CEN
michael.brueggemanndummy@uni-hamburgdummy2.de


Integrated Climate Data Center (ICDC), CEN
Remon Sadikni
remon.sadiknidummy@uni-hamburgdummy2.de