Offshore-Windparks: Deutschland subventioniert zu großzügig

21.01.2016

Neues aus der Klimaforschung: Einmal im Monat berichten Klimaforscher im Hamburger Abendblatt über aktuelle Erkenntnisse. Michael Funke untersucht die Anreize, mit denen Offshore-Windparks auf hoher See gefördert werden.

Weniger Subventionen, gleiche Effekte: Das dänische Subventionsmodell könnte Vorbild sein, sagt Michael Funke.

Die Energiewende in Deutschland ist in vollem Gange. Die schnelle Umstellung von Atomstrom, Kohle und Erdöl auf erneuerbare Energien ist politisch gewollt und ruft international Staunen und Anerkennung hervor. Der Ausbau scheint jedenfalls wunschgemäß voranzugehen: Gegenüber 2014 hat sich im vergangenen Jahr zum Beispiel die Stromproduktion durch Offshore-Windanlagen in der Nordsee gleich vervierfacht. Doch was ist der Preis dafür?

Um die Wende anzukurbeln, subventioniert die Bundesregierung grünen Strom kräftig. Das ist folgerichtig, denn Investitionen in neue Technologien sind risikoreich und rentieren sich in der Anfangsphase kaum. Doch im Fall der Offshore-Windparks zahlte Deutschland jahrelang zu viel, wie wir jetzt in einer Studie zeigen konnten.

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz sind solche Investitionsanreize verankert. Die Regierung garantiert darin – abhängig von Wassertiefe und Entfernung zum Festland – feste Abnahmepreise für den Offshore-Strom, die zeitlich befristet sind. Während der Marktpreis an der Strombörse vergangenes Jahr im Mittel bei drei bis vier Euro-Cent pro Kilowattstunde lag, liegen die subventionierten Preise zunächst acht Jahre lang bei 19 Cent und sinken dann für zwei Jahre auf 15 Cent. Anschließend wird für weitere zehn Jahre ein Mindestpreis von 3,5 Cent garantiert.

Die Unternehmen haben dadurch längerfristig Planungssicherheit. Aber sind Höhe und Dauer der Garantiepreise angemessen? Dies haben wir am Klima-Exzellenzcluster CliSAP der Universität Hamburg untersucht.

Wir betrachten hierfür prototypisch einen Investor, der überlegt, eine solche Anlage bauen zu lassen. Für ihn bergen junge Technologien wie Offshore-Windräder viele Unsicherheiten. Wie hoch werden zum Beispiel die Baukosten tatsächlich ausfallen? Sollte er mit der Investition noch warten, weil die Kosten für die Technik zukünftig sinken? Wie schnell wird sich der technologische Fortschritt einstellen? Zu wieviel Prozent wird die Anlage ausgelastet sein – und wie hoch ist der Marktpreis, wenn die garantierten Preise ausgelaufen sind?

Mit Hilfe sogenannter Real-Optionsmodelle können wir all diese Unsicherheiten ökonomisch bewerten. Dabei ermitteln wir rechnerisch, wie sich ein rational handelnder Investor unter solchen Bedingungen entscheiden wird. Klares Ergebnis: Schon bei deutlich geringeren Anreizen würde er investieren. Die deutschen Subventionen sind zu großzügig.

Ganz anders macht es Dänemark. Es fördert die gleiche Technologie, nutzt aber ein Auktionsmodell. Dabei schreibt der Staat ein Offshore-Windpark-Projekt aus. Interessierte Investoren geben daraufhin ein verbindliches Gebot für einen festgelegten Zeitraum ab. In diesem fordern sie einen eigenen garantierten Strompreis: Firma A verlangt beispielsweise 12 Cent, Firma B fordert 14 Cent und Firma C ist bereit, die Anlage für 10 Cent zu bauen. Das niedrigste Gebot erhält den Zuschlag. Jeder Betrieb hat also eine eigene Kalkulation aufgestellt und trägt das unternehmerische Risiko selbst. Dadurch wird schnell deutlich, zu welchem Preis das Projekt rentabel ist.

Unsere Berechnungen zeigen eindeutig: Die niedrigeren Subventionen Dänemarks sind angemessen. Auch Deutschland hätte schon früher nach dänischem Vorbild fördern sollen. Deshalb sind solche Subventionsformen jetzt EU-weit vorgesehen – eine entsprechende Verordnung ist in Arbeit. 



Michael Funke ist Professor für Volkswirtschaftslehre und untersucht ökonomische Faktoren des Klimawandels.

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