Neu bei CliSAP: Michael Brüggemann erforscht digitale Klimakommunikation

29.01.2015

Prof. Dr. Michael Brüggemann leitet ab Februar 2015 die Forschungsgruppe „Mediale Konstruktionen des Klimawandels“. Er studierte in München neben Journalistik auch Politikwissenschaft, Soziologie und Europa-Recht im Nebenfach und wurde 2007 an der Universität Hamburg promoviert. Es folgten Stationen an der Universität Bremen, der Jacobs University und der Universität Zürich. Im Interview erklärt Brüggemann seinen Forschungsfokus am Exzellenzcluster: die digitalen Netzwerke der Klimakommunikation.

Vizepräsidentin Prof. Jetta Frost übergibt Prof. Michael Brüggemann die Berufungsurkunde

Sie forschten früher zu transnationalen Öffentlichkeiten und zur EU-Informationspolitik. Wie passt das zum Thema Klimawandel?
Auf ein Wort gebracht würde ich die Gemeinsamkeit so benennen: Vermittlungsprobleme. Während der Promotion ging ich der Frage nach, wie sich die EU den Bürgerinnen und Bürgern vermittelt. Und um das Vermitteln wichtiger aber auch abstrakter Zusammenhänge geht es auch in der Klimakommunikation.

Warum haben Sie sich 2010 an der Universität Zürich dem Klimawandel zugewendet?
Mein Eindruck war: Das ist das große Menschheitsthema. Gleichzeitig gibt es hier offenbar ein Kommunikationsproblem, denn die Diskurse in Wissenschaft und Medien weisen große Unterschiede auf.

Würden Sie uns ein konkretes Forschungsergebnis vorstellen?
In Zürich haben wir unter anderem eine Studie in fünf Ländern durchgeführt. „Glauben Sie an den Klimawandel?“, diese Frage stellten wir führenden Klimajournalisten in Leitmedien in Großbritannien, den USA, Indien, Deutschland und der Schweiz. Die befragten Fachjournalisten waren sich einig, dass der Klimawandel real und menschengemacht ist. Sie schließen sich den Berichten des Weltklimarats IPCC an. Die allgemeine Berichterstattung jedoch stellt den Klimawandel häufig infrage. Das hängt unter anderem mit einer wichtigen journalistischen Norm zusammen, dem Gebot der ausgewogenen Berichterstattung. Das erfordert das Darstellen von Pro und Contra zu einer Frage. Dies ist ein Grund, warum Klimaskeptiker so präsent sind. Ein weiterer Grund ist, dass der Streit zwischen Skeptikern und Warnern für Journalisten eine gute Story abgibt, die sich einfach und spannend erzählen lässt.

An welche Themen aus Zürich knüpfen Sie an? Nutzen Sie Ihren Start bei CliSAP auch für neue Ansätze?
Ich kann hier sehr gut auf meine bisherigen Arbeiten auf dem Gebiet aufbauen. In Zürich habe ich mich beispielsweise auf die Rolle der Journalisten in der Klimadebatte konzentriert. Nun sollen weitere Akteure hinzukommen – die Klima- und Wissenschafts-PR sowie politische Kommunikatoren. Zudem stand bisher der klassische Journalismus im Vordergrund. Jetzt möchte ich erforschen, wer die digitale Klimadebatte prägt. Wir werden also auch Blogs und soziale Netzwerke analysieren. Hier sind Wissenschaftler und eben auch Klimaskeptiker aktiv, die wir ebenfalls in den Blick nehmen. Die neue Überschrift meiner Forschung lautet also: Digitale Netzwerke der Klimakommunikation.

Wie werden Sie mit anderen CliSAP Disziplinen zusammenarbeiten?
Natürlich bin ich auf die Expertise im Cluster angewiesen, da ich kein Experte für die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels bin. Insofern freue ich mich über Kontakte zu den anderen Fächern. Außerdem gibt es sicher auch bei Kollegen am Cluster die Erfahrung, dass es beim Vermitteln der eigenen Forschung zu Missverständnissen kommen kann. Hier kann ein Blick auf die Logiken öffentlicher Kommunikation helfen, um zu verstehen, warum sich Journalisten und Wissenschaftler manchmal missverstehen.

Kontakt:
michaeldummy@brueggedummy2.net

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