Migration und Flucht: Antworten aus der Wissenschaft

30.03.2017

Weltweit flüchten Menschen aus Regionen, in denen sie bisher zuhause waren. Dr. Christiane Fröhlich vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg zeigt zusammen mit internationalen Forscherinnen und Forschern, dass Flucht oft ein Prozess über Jahre ist, welche Rolle der Klimawandel spielt und welche Fragen europäische Regierungen systematisch ausblenden. Eine hochaktuelle Sonderausgabe des Fachjournals Global Policy bündelt die Beiträge.

Ungarn: Migranten in der Nähe der serbischen Grenze

„Die oft genannte Behauptung, Syrien sei eigentlich ein „Klimakrieg“, trägt nicht“, sagt Christiane Fröhlich und nennt damit nur ein Beispiel der zahlreichen Forschungsergebnisse. Sie interviewte syrische Geflüchtete in Camps in Jordanien und stellte fest, dass die Landwirte durchaus unter Veränderungen des Klimas litten. Doch zuvor war die Landbevölkerung durch staatliche Deregulierung des Marktes wirtschaftlich massiv geschwächt worden. Ebenso wird als Auslöser für die syrische Revolution angegeben, dass unzählige Bauernfamilien vor einer anhaltenden Dürre in die Städte flüchteten. Die Friedensforscherin fand heraus, dass deren Zahl viel geringer war, als bisher angenommen. „Der Klimawandel wird von Akteuren auch als Rechtfertigung benutzt, dass sie den Entwicklungen hilflos ausgeliefert sind“, sagt Fröhlich.

Viele Maßnahmen stimmen nicht mit Menschenrechten überein

Menschen auf der Flucht erleben oft einen ganzen Zyklus von Gewalt. So fliehen sie zunächst aus einer akuten Bedrohung, auf eine Reise, die oft von Gewalt geprägt ist, in ein Zielland, wo ebenfalls Gewalt in physischer oder struktureller Form auftreten kann. Viele dieser potenziell gewaltträchtigen Strukturen werden zurzeit von Ländern der Europäischen Union billigend in Kauf genommen. Dies können elende Zustände in den Camps sein oder auch Abkommen zur Grenzsicherung mit Staaten außerhalb der EU, in denen Geflüchtete weniger Rechtssicherheit haben. Die Forscher und Forscherinnen weisen darauf hin, dass viele Maßnahmen nicht mit den internationalen Vereinbarungen zu den Menschenrechten übereinstimmen.

Die Sonderausgabe umfasst acht Beiträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln, die die Verbindung zwischen Fluchtbewegungen, Gewalterfahrungen und Umweltveränderungen untersuchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sortieren das komplexe Themenfeld neu und zeigen, welche Fragen politisch bisher noch unbeantwortet sind. Die Publikation ist online frei zugänglich.

 

Special Issue: Critical Perspectives on Human Mobility in Times of Crisis
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gpol.2017.8.issue-S1/issuetoc
doi: 10.1111/1758-5899.12422


Kontakt

Dr. Christiane Fröhlich
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN), Exzellenzcluster CliSAP
Universität Hamburg
Tel: +49 40 42838 9196
christiane.froehlichdummy@uni-hamburgdummy2.de