Meereis in der Arktis: Winterliches Maximum fällt minimal aus

03.03.2016

Das arktische Meereis sollte in dieser Jahreszeit eigentlich deutlich zunehmen. Doch das ist nicht der Fall. Dieser Indikator für Klimaänderungen war eines der zentralen Themen auf dem CliSAP Workshop zu Arktis und Permafrost.

Das Meereis war im Februar 2016 deutlich dünner als im Februar 2015. Erkennbar wird das im Vergleich der Messungen des SMOS-Satelliten.
Darüber sprachen die Teilnehmer des Workshops zu Arktis und Permafrost.

Änderungen der Eisbedeckung im arktischen Ozean sind ein wichtiger Hinweis auf Klimaänderungen. Seit Jahren nimmt sie tendenziell ab. Dabei erreicht die Eisfläche im September ihr jährliches Minimum und im März ihr Maximum. Workshop-Organisator Prof. Lars Kaleschke sagt: „Die Eisfläche ist im Moment etwa 1,2 Millionen Quadratkilometer geringer als das langjährige Mittel zu dieser Jahreszeit. Das heißt dem Meereis fehlt mehr als die Fläche von Deutschland und Frankreich zusammen.“ Das Meereis wächst also viel weniger als in den Wintermonaten üblich.

Um die Eisfläche, die Bewegung und vor allem die Dicke des Meereises flächendeckend zu erfassen, arbeiten der Meeresforscher mit seinem Team konstant daran, die Methoden dafür zu verbessern. Zusammen mit Kollegen vom AWI in Bremerhaven hat das Team ein neues Produkt entwickelt, das Daten der ESA-Satellitenprogramme CryoSat-2 und SMOS kombiniert und so jeweils deren Stärken ausnutzt. Der Satellit CryoSat-2 misst wie weit das Eis aus dem Ozean herausragt und kann somit dickes Eis besonders genau vermessen, während SMOS die Mikrowellenstrahlung aus dem Eisinneren misst und besonders sensitiv für dünnes Eis ist (Abbildung). Dr. Stefan Hendricks vom AWI gab während des Workshops eine Vorschau auf diese neue Vorgehensweise.

Neues aus der Arktisforschung

Insgesamt sind rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Workshop an die Universität Hamburg gekommen. Die externen Gäste reisten unter anderem aus Finnland, Italien oder den USA an. An den drei Tagen wurde nicht nur über Fernerkundungsmethoden gesprochen, um die Dicke des Meereises zu messen. Auch physikalische und biogeochemische Interaktionen zwischen Ozean, Atmosphäre und Land in der Arktis spielten als klassische Felder der CliSAP Forschung eine wichtige Rolle.

Neu war bei der dritten Ausgabe des Treffens die sozial- und geisteswissenschaftliche Session. Wichtig ist die geopolitisch einzigartige Position der Arktis. Golo Bartsch, Arktis-Experte im Bundesverteidigungsministerium, wies in seinem Vortrag auf die langjährige Kooperation der fünf Nordpolarmeer-Nationen hin. Die Militärpräsenz habe zwar etwas zugenommen, trotzdem gehe es meist um friedliche Aufgaben wie Rettungsaktionen. Dr. Rasmus G. Bertelsen von der University of Tromsø machte in seinem Vortrag zur internationalen Politik darauf aufmerksam, dass sich die wissenschaftliche Zusammenarbeit diplomatisch nutzen ließe, um mit dem zunehmenden Einfluss Chinas in der Arktis umzugehen.

Die Diskussionen während der drei Tage zeigten, wohin sich die Forschungsfragen entwickeln. Dass der Klimawandel die Arktis beeinflusst, war dabei kein Thema. Inwieweit die Arktis aber den Klimawandel beeinflusst schon eher. Verstärken die Prozesse in der Arktis den Klimawandel? Wie funktioniert das? Was ist mit den Treibhausgasen, die aus dem schmelzenden Permafrost freigesetzt werden? Das sind Fragen, denen sich die Arktisforscherinnen und -forscher in Zukunft widmen. 

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