Lebendiger Austausch: „Visiting Artists“ am Exzellenzcluster

11.04.2014

Wissenschaftler und Künstler – zwei Gruppen, die normalerweise wenig miteinander zu tun haben. Dass die Zusammenarbeit für beide Seiten nützlich sein kann, zeigt ein aktuelles Projekt der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) und des Exzellenzclusters für Klimaforschung „CliSAP“.

Seit Februar begleiten sechs Studierende der HFBK den Forschungsalltag von CliSAP-Forscherinnen und -Forschern. Die Einblicke nutzen die „Visiting Artist Researchers“ für ihr künstlerisches Schaffen. Eine große Rolle spielen elektronische Visualisierungen, mit denen Klimaforscher komplexe Vorgänge im Erdsystem bildlich darstellen. Bei einer Führung durch das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ) stiegen die Künstlerinnen und Künstler am Donnerstag in die Materie ein: Wie funktionieren Modelle, mit denen Klimaveränderungen berechnet werden? Wie werden die Daten verarbeitet – und wie entstehen am Ende „Klimabilder“? Dazu Michael Böttinger vom DKRZ: „Klimamodelle errechnen riesige Datenmengen, um etwa eine Vorstellung von künftigen weltweiten Temperaturveränderungen zu geben.“ Selbst die Supercomputer der Klimaforscher rechnen teilweise mehrere Jahre an solchen Simulationen, so Böttinger weiter. „Am Ende werden die Ergebnisse mit speziellen Programmen analysiert und zum Beispiel in jene Klimabilder umgerechnet, die für die Künstler interessant sind.“

Im Rahmen der Kooperation haben die HFBK-Studierenden auch die Möglichkeit, selbst mit diesen Programmen zu arbeiten. Neue Einsichten ergeben sich aber auch für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. „Bei meiner künstlerischen Arbeit stoße ich hier auf großes Interesse. Dabei kommen sogar Forscher zusammen, die an völlig unterschiedlichen Themen arbeiten“, so der Bildhauer Hagen Schümann. Und sein Kollege Philip Prinz ergänzt: „Umgekehrt kommt es auch vor, dass ich als Künstler selbst Hand anlege – bei einer Expedition habe ich zum Beispiel Messgeräte in den Boden eingesetzt.“

Neben der praktischen Zusammenarbeit verfolgt das Projekt auch wissenschaftliche Ziele. So treffen sich die Künstlerinnen und Künstler regelmäßig, um gemeinsam mit den beteiligen Wissenschaftlern über ihre Erfahrungen und künstlerischen Projekte zu sprechen. In diesem Rahmen wurde etwa diskutiert, ob die „Kulturen“ in Kunst und Naturwissenschaft überhaupt so unterschiedlich sind. Ähnlichkeiten sieht etwa die Soziologin und Wissenschaftsforscherin Simone Rödder, die das Projekt für CliSAP koordiniert: „Einige Kunstprojekte werden andere Ergebnisse haben, als anfangs erwartet. Solche Überraschungen gibt es auch in der Wissenschaft.“ Das sieht auch Kunstprofessor Friedrich von Borries, Koordinator von Seiten der HFBK: „Künstler und Wissenschaftler forschen gleichermaßen. Zwar mit anderen Mitteln – aber beide ergebnisoffen.“

Weitere Informationen:

Projektseite "Wissenschaft trifft Kunst"

Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK)

Deutsches Klimarechenzentrum (DKRZ)