Klimarisiken in Südchina: Perlfluss-Delta braucht Strategie

19.11.2014

Neues aus der Klimaforschung: Einmal im Monat berichten Klimaforscher im Hamburger Abendblatt über aktuelle Erkenntnisse. Dr. Liang Yang ist Geograph am Exzellenzcluster CliSAP der Universität Hamburg und studierte unter anderem in Peking an der Chinese Academy of Sciences.

Because of the climate change, floodings increase.
Cities need to adapt to the risk of floodings.
Dr. Liang Yang is a geographer.

Im südchinesischen Delta des Perlflusses wachsen zurzeit elf Städte zu einer Megacity zusammen. Die Gegend war einmal ländlich geprägt, verwandelte sich aber durch Investitionen aus Hongkong und Taiwan binnen drei Jahrzehnten in eine boomende Fabrik für Exportgüter. Auf einer Fläche nur knapp so groß wie Niedersachsen leben so viele Menschen wie in ganz Großbritannien.

Schon heute verlangt das sommerfeuchte Monsunklima den Bewohnern einiges ab. Im Vergleich zu Hamburg fällt mehr als doppelt so viel Niederschlag, der sich auf die sechs Monsun-Monate konzentriert. Regelmäßige Überflutungen gewinnen  durch betonierte Flächen und kanalisierte Flussbetten noch zusätzlich an Zerstörungskraft. Hinzu kommen immer wieder Taifune, die meterhoch Meerwasser ins Land drücken.

Wird der Klimawandel diese Gefahren verschärfen? Was sind mögliche Anpassungsstrategien? Dies habe ich am Exzellenzcluster CliSAP der Universität Hamburg erforscht. Mithilfe von historischen Mess-Daten aus dem Delta und eines Rechenmodells des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie ermittelte ich Zukunftsszenarios für Temperatur, Niederschlag, Meeresspiegel und tropische Wirbelstürme. Demnach wird es im 21. Jahrhundert durchschnittlich bis zu drei Grad wärmer im Delta. Der Niederschlag wird extremer, also zeitweise ungewöhnlich schwach oder stark. Der Meeresspiegel könnte gegenüber 2005 bei ungebremsten Treibhausgas-Emissionen um bis zu einen Meter steigen.

Das bedeutet: Das Delta wird mehr und heftigere Überflutungen durch den Fluss erleben, aber auch durch die Gezeiten des Südchinesischen Meeres. Denn fast acht Prozent der Fläche liegen höchstens drei Meter über dem Meeresspiegel. Und genau dort – im Flachland – haben sich Industrie und Städte angesiedelt. Extrem exponiert sind auch die neuen Küstenzonen, die durch künstliche Landgewinnung entstehen.

Flut ist jedoch nicht gleich Flut. Je nach Lage und Struktur sind Städte unterschiedlich stark verwundbar. Anhand statistischer Daten schätzte ich zunächst die Flut-Wahrscheinlichkeit ein, die beispielsweise von der Lage über dem Meeresspiegel abhängt. Um die Flut-Empfindlichkeit einer Stadt einzustufen, analysierte ich unter anderem Daten zur Bevölkerungsstruktur. So gelten Jugendliche, Ältere und Arbeitslose als besonders gefährdet. Drittens betrachtete ich die Fähigkeit einer Stadt, sich an das Flut-Risiko anzupassen. Diese ergibt sich auch aus sozialen Standards wie dem pro-Kopf-Einkommen. Besonders interessant ist das Beispiel Hongkong. Die Halbinsel ist stark gefährdet – als Wirtschafts- und Finanzmetropole besitzt sie jedoch die Mittel, steigende Risiken durch Schutzmaßnahmen zu kompensieren.

Wie muss der Flutschutz im Delta angepasst werden? Neben traditionellen Lösungen wie dem Deichbau benötigt die Region vor allem „sanfte Maßnahmen“, die ein Bewusstsein für die Gefahr herstellen: eine gemeinsam entwickelte Klimastrategie, zuverlässigere Wettervorhersagen, offizielle Handlungsempfehlungen bei Flutgefahr. Nicht zuletzt könnten auch soziale Medien Flutinformationen in Echtzeit liefern.

Autor:  Dr. Liang Yang

 

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