CliSAP successfully finished in 2018. Climate research continues in the Cluster of Excellence "CLICCS".

KlimaCampus-Expertise für das Auswärtige Amt

01.06.2011

Beim ersten von vier Dialogforen zum Thema Klimawandel und Sicherheit stand am 30. Mai im Auswärtigen Amt die südliche Mittelmeerregion im Fokus. Dabei ging es um die Auswirkungen des Klimawandels auf das komplexe Problemgeflecht von Wasser, Nahrung, Energie und Migration. Jürgen Scheffran vom KlimaCampus führte ins Thema ein und leitete die Expertendiskussion.

Das Auswärtige Amt hatte in Kooperation mit adelphi, der Forschungsgruppe Klimawandel und Sicherheit vom KlimaCampus der Universität Hamburg und dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) Experten aus der Region eingeladen.

Die Staaten des südlichen Mittelmeerraums befinden sich nicht nur in einem politischen Umbruch. Sie gehören auch zu den Ländern, die am meisten vom Klimawandel betroffen sein werden. Wasserknappheit und abnehmende landwirtschaftliche Produktion bei stark wachsender Bevölkerung stellen die Region vor große Herausforderungen. Die Auswirkungen auf Migrationsbewegungen sind dabei nur schwer absehbar.

Positive Impulse für die Region könnten sich jedoch durch die Stärkung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion, Erzeugung von und Versorgung  mit erneubaren Energien ergeben. Zugleich bieten die politischen Umbrüche in der Region auch neue Chancen für gemeinsame und innovative Strategien zur Anpassung an den Klimawandel.

Als Beispiel, wie Nachhaltigkeit gelebt werden und konfliktpräventiv wirken kann, wurde das SEKEM Projekt vorgestellt. Hier erproben 2.500 Ägypter seit 1977 ein Lebensmodell, bei dem wirtschaftliche Entwicklung, nachhaltige, ressourcenschonende Produktion in der Landwirtschaft, Bildung und soziales Engagement Hand in Hand praktiziert werden. Das Auswärtige Amt fördert unter dem Aspekt der Konfliktprävention die regionale Vernetzung dieser und ähnlicher Initiativen in der Region.

Eine fehlgeleitete Landwirtschaftspolitik, die Armut nicht effektiv bekämpfte, wurde unter anderem als ein Auslöser der Revolution in Tunesien genannt. Dieser Sektor ist nach wie vor für die gesamte Region von besonderer Bedeutung. Um den gravierenden Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, bedarf es daher einer Wende zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Auch in den Sektoren Wasser und Energie muss es gelingen, konstruktive Strategien zur Bewältigung der Probleme zu entwickeln und Konzepte der nachhaltigen und präventiven Friedenssicherung miteinander zu verknüpfen.

Auf regionaler Ebene existiert bereits eine Reihe von Ansätzen für das Management von Ressourcen, vor allem im Bereich Wasser und Energie. Deren Fähigkeit zur Problembearbeitung ist jedoch weiter ausbaufähig und litt in der Vergangenheit unter der politischen Situation und mangelnder Transparenz in der Region. Der arabische Frühling könnte hier den notwendigen Schub leisten, um knappe, grenzüberschreitende Ressourcen effektiver zu managen. Weiterhin gilt es jedoch, die Auswirkungen des Klimawandels noch systematischer in deren Arbeit einzubeziehen.

Externe Akteure können die Weiterentwicklung regionaler Kooperationsmechanismen dabei entscheidend unterstützen. Insbesondere ein verstärktes Engagement der EU und ihrer Mitgliedstaaten kann positive Wirkungen entfalten.

Weitere Dialogforen werden 2011 Zentralasien, Südasien und Mittelamerika zum Schwerpunkt haben. Sie sind Teil eines internationalen Dialog-Prozesses zu den sicherheitspolitischen Auswirkungen des Klimawandels, welcher aktuell auch auf Ebene der Vereinten Nationen stattfindet.

siehe auch Auswärtiges Amt