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Klima-Migration: Politische Strategien fehlen

22.07.2013

Der Klimawandel bringt nicht nur Ökosysteme durcheinander, er bedroht auch die Lebensgrundlage vieler Menschen. Verstärkte Migration kann die Folge sein. Zuverlässige Daten fehlen aber bisher ebenso wie politische Strategien. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Climate Service Center und dem KlimaCampus in der vergangenen Woche organisierte Konferenz.

Die Tagung versammelte Teilnehmer aus über 25 Ländern. Dabei waren Wissenschaftler aus den Bereichen Klima- und Migrationsforschung, ebenso wie Experten aus der Entwicklungszusammenarbeit. Am Ende stand eine Deklaration, in der die Teilnehmer unter anderem einen rechtlichen Status für die vom Klimawandel vertriebenen Menschen fordern.

Dafür wäre allerdings eine Definition erforderlich, die auch komplexen Zusammenhängen gerecht wird. So ist nicht jedes extreme Wetterereignis Folge des Klimawandels. Umgekehrt werden Fluchtbewegungen häufig erst durch die wirtschaftlichen Folgen von Klimaänderungen ausgelöst. Dabei ist der Flüchtlingsbegriff völkerrechtlich auf staatliche  Verfolgung beschränkt.

„Wer entscheidet, ob jemand als Klima- oder Wirtschaftsmigrant gilt?“, fasst Prof. Jürgen Scheffran, Leiter der CliSAP-Arbeitsgruppe „Klimawandel und Sicherheit“ das Problem zusammen. Hier könnten neue Herausforderungen entstehen, etwa wenn ganze Länder durch den Klimawandel bedroht sind und flüchtende Menschen Grenzen überschreiten. „Allerdings spielt sich klimainduzierte Migration in den meisten Fällen innerhalb nationaler Grenzen ab“, so Scheffran.

Handlungsbedarf sehen die Konferenzteilnehmer auch bei der Zusammenarbeit von Klima- und Migrationsforschung. Bisher würde hier noch häufig aneinander vorbei geredet. Kooperation sei aber notwendig, um Forschungsergebnisse in Handlungsstrategien zu übersetzen: „Wissenschaftliche Ergebnisse sind eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Politik“, so Prof. Maria Máñez Costa, Leiterin der Abteilung Ökonomie und Politik am Climate Service Center. Lokale Gemeinschaften können sich umso schlechter an den Klimawandel anpassen, je stärker ihre Lebensgrundlage bedroht ist. Anstelle einer Bedrohungsabwehr sei es wichtiger, die betroffenen Regionen vorbeugend zu stärken – etwa indem wissenschaftliche Risikoabschätzungen bereit gestellt werden.