Kampf um Ressourcen: Akzeptanz und Aussöhnung lösen Konflikte

20.05.2015

Dr. Tobias Ide vom Exzellenzcluster CliSAP an der Universität Hamburg untersucht, unter welchen Bedingungen Konflikte um Wasser, Weideland, Wald und Fischbestände gewaltsam eskalieren. Die Ergebnisse sind jetzt in dem Fachjournal "Global Environmental Change" veröffentlicht und im Internet frei zugänglich.

Im südlichen Äthiopien sind erneuerbare Ressourcen wie Wasser und Weideland knapp.
Der Geograph Dr. Tobias Ide.

 Für seine Analyse hat Tobias Ide wissenschaftliche Daten und Aufzeichnungen aus 20 Konfliktregionen Afrikas, Lateinamerikas, Asiens und des pazifischen Raums ausgewertet. Sieben der untersuchten Konflikte um erneuerbare Ressourcen sind gewaltsam eskaliert. Über einen längeren Zeitraum wurde dort regelmäßig Gewalt angewendet und es gab mehrere Tote.

Welche Umstände führen dazu, dass Konflikte um erneuerbare Ressourcen gewaltsam eskalieren? In einem ersten Schritt hat Ide die möglichen Auslöser aus den untersuchten Daten herausgearbeitet. Weiter analysierte der Geograph, wie diese Faktoren bei einerseits nichtgewaltsamen und andererseits gewaltsamen Konflikten miteinander kombiniert sind.

So konnte Ide zeigen: Konflikte eskalieren nur dann gewaltsam, wenn drei Faktoren gleichzeitig auftreten: Eine negative Abwertung und Nichtakzeptanz der beteiligten Gruppen untereinander, geringe Machtunterschiede zwischen den involvierten Akteuren und aktuelle politische Veränderungen, wie der Wechsel des politischen Systems.

Die gewaltsamen Konflikte im südlichen Äthiopien spiegeln diese Ergebnisse wieder. In der von Trockenheit geprägten Oromia-Region leben Nomadengruppen, die häufig Konflikte um Wasser und Weideland austragen. Die Auseinandersetzungen zwischen diesen ähnlich mächtigen Gruppen wurden über Jahre weitgehend gewaltfrei ausgetragen, schufen aber eine Kultur des Misstrauens und der Feindschaft. Eine Dürre in den späten 1980er Jahren verschärfte die Konflikte. Doch erst als die Regierung zwischen 1991 und 1994 von einem kommunistisch-autoritären zu einem demokratischen Regime wechselte, eskalierte die Situation.

Dieser politische Wandel brachte neue Regelungen zur Ressourcenverteilung, zur Streitschlichtung und eine Kommerzialisierung der Landwirtschaft mit sich. Die bestehenden Spannungen verschärften sich. In der Oromia-Region lässt sich also ganz deutlich das Zusammenspiel von geringen Machtunterschiedenen, gewachsenen Feindschaften und akutem politischen Wandel erkennen ebenso wie die dadurch eskalierenden Konflikte um Land- und Wasserressourcen.

Folglich führt nicht allein die Verknappung von erneuerbaren Ressourcen zu gewaltsamen Konflikten. Vielmehr sind politische Umstände und Machtverhältnisse entscheidend. Ides Analyse zeigt: Wird nur einem der genannten Faktoren entgegengewirkt, sind gewaltsame Eskalationen unwahrscheinlich. Die Verhinderung von politischem Wandel und das Herbeiführen von Machtunterschieden zwischen rivalisierenden Gruppen stehen allerdings im Widerspruch zu demokratischen Werten und Menschenrechten. Demzufolge bleibt vor allem, die Akzeptanz und eine friedliche Aussöhnungen zwischen den Konfliktparteien zu fördern.


Zur Veröffentlichung 

Der freie Zugang zu der Veröffentlichung in "Global Environmental Change" wurde aus Mitteln des Exzellenzclusters CliSAP finanziert.