Hamburg: Künstler und Klimaforscher starten gemeinsames Projekt

05.03.2014

Bis Juni nehmen sechs junge Studierende der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) am Forschungsalltag des Exzellenzclusters für Klimaforschung der Universität Hamburg teil. Ziel der ungewöhnlichen Kooperation ist es, einen neuen Blick auf Kunst und Klimaforschung zu gewinnen. Am Ende werden die Ergebnisse bei einer Ausstellung der HFBK präsentiert.

The artists with Friedrich von Borries (HFBK, left) and Simone Rödder (CliSAP, right).

Die Idee entstand im Austausch zwischen Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie an der HFBK, und der Forschungsgruppe „Understanding Science in Interaction“ (USI) der Universität. Das Forschungsprojekt USI ist Teil des Exzellenzclusters CliSAP und untersucht, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche Klima und Klimawandel analysieren. Beim aktuellen Projekt trifft nun Wissenschaft außerdem auf Kunst. „Es geht darum, sich gegenseitig Denkanstöße zu geben und scheinbar Selbstverständliches kritisch zu hinterfragen“, sagt USI-Projektleiterin Simone Rödder.

Fünf Monate lang begleiten die beteiligten Künstler jeweils eine CliSAP-Arbeitsgruppe und nehmen am normalen Forschungsalltag teil. Vier der Forschungsgruppen sind dabei an der Universität Hamburg angesiedelt, eine am Max-Planck-Institut für Meteorologie und eine am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Dort werden die Künstler Seminare besuchen, Vorträge halten und an ihren künstlerischen Ideen arbeiten.

Hagen Schümann zum Beispiel will Stürme sichtbar machen: Ein von ihm erfundener Bildgenerator wandelt die von der Forschungsgruppe „Themenkoordination Stürme“ erfassten Daten über Stürme visuell um. Aus Temperaturen, Geschwindigkeiten und Druckunterschieden wird so ein Kunstwerk. Anders sein Kommilitone Philip Prinz: Er will selber an die Leinwand treten und geht an Bord des Forschungsschiffes „Ludwig Prandtl“ des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, um zu malen. Wenn auf hoher See Wind aufkommt und das Schiff von den Wellen durchgeschaukelt wird, ist eine kontrollierte Pinselführung kaum noch möglich. Gerade das reizt Prinz jedoch. „Ich möchte etwas machen, das in einem Raum gelingt aber im Freien scheitert“, sagt der Künstler. Abstrakter wird es bei Laura Reichwald. Sie beschäftigt sich mit der Schönheit in der Wissenschaft und geht mit der Arbeitsgruppe Theoretische Meteorologie unter anderem der Frage nach, warum manche Lösungen für mathematische Probleme als elegant angesehen werden und andere nicht.

HFBK-Professor von Borries ist überzeugt, dass die Klimaforscher von dieser Zusammenarbeit ebenso profitieren wie die Kunststudierenden: „Auch Künstler forschen. Nicht wissenschaftlich, sondern künstlerisch. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ansätze kann für beide – Künstler und Wissenschaftler – eine Anregung sein, um die eigenen Methoden und Praxen weiterzuentwickeln.“ Wie genau die Künstler dabei in ihrer Arbeit von den Wissenschaftlern beeinflusst werden, welche Eindrücke und Ideen aber auch die Wissenschaftler durch die Künstler erlangen, zeigt sich nach Ende des Projekts. Dann wird die Synthese aus Kunst und Hamburger Klimaforschung bei einer Ausstellung der HFBK präsentiert.

Der Exzellenzcluster „Integrated Climate System Analysis and Prediction“ (CliSAP) der Universität Hamburg und ihrer Partner Max-Planck-Institut für Meteorologie, Helmholtz-Zentrum Geesthacht und Deutsches Klimarechenzentrum wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. CliSAP ist Keimzelle des Centrums für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) und Mitbegründer des KlimaCampus Hamburg. Das CEN bündelt Expertise aus Natur- und Gesellschaftswissenschaften und umfasst neun Institute und Einrichtungen der Universität Hamburg. Der KlimaCampus Hamburg bringt darüber hinaus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Behörden hamburgweit zum Thema Klima zusammen.
 
Wissenschaft trifft Kunst

Für Rückfragen:

Markus Dressel, Pressestelle CliSAP/CEN
CEN - Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg
Tel.: 040 42838 4237
E-Mail: markus.dresseldummy@zmawdummy2.de

Dr. Simone Rödder, Understanding Science in Interaction (USI)
CEN - Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg
E-Mail: simone.roedderdummy@zmawdummy2.de

Prof. Friedrich von Borries
Hochschule für bildende Künste Hamburg
E-Mail: friedrich.borriesdummy@hfbk-hamburgdummy2.de