Eismessung mit Eisbär: Bordbericht vom Forschungsschiff Lance

29.04.2015

Nina Maaß befindet sich zurzeit an Bord des norwegischen Forschungsschiffes RV Lance in der Arktis. Im Rahmen der N-ICE 2015 Expedition werden die Wechselwirkungen zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre untersucht – in einer Schlüsselregion des Klimawandels. Maaß forscht für die CliSAP-Arbeitsgruppe "Meereis-Beobachtung", die an dem internationalen Großprojekt beteiligt ist. Ein Ziel ist, die Methoden zur Bestimmung der Schneedicke zu verbessern, die von Satelliten aus nur unzulänglich gemessen werden kann. Die jetzt ausgebrachten CliSAP-"Schneebojen" tragen dazu bei, eine Datenlücke zu schließen.

Forschungscamp und die Lance
Nina Maaß bringt eine Schneeboje aus

Hier die Eindrücke der Reise – live von Bord:

Am 11. April haben wir von Longyearbyen (Spitzbergen) aus mit 18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Bord der Lance unsere Reise Richtung Norden angetreten. Am 13. April trafen wir am Eisrand das Küstenwachschiff KV Svalbard. Diesem folgten wir weiter nordwärts ins Eis. Die Lance ist zwar ein "eisverstärktes" Schiff, hat aber nur wenig Möglichkeiten sich aktiv durch das Eis zu bewegen.

In der Nacht vom 17. zum 18. April haben wir dann "unsere" Eisscholle gefunden (bei 83.2 Grad Nord, 13.5 Grad Ost). KV Svalbard hat uns einen Parkplatz ins Eis gefahren, in den wir uns mit der Lance begeben haben.

Am nächsten Morgen hat die KV Svalbard uns dann zurückgelassen und wir fingen mit der Arbeit auf dem Eis an. Als erstes haben wir eine Begehung der Eisscholle vorgenommen und Eis- und Schneedicke gemessen, so dass wir die Eisbedingungen einschätzen konnten: hauptsächlich Eisdicken um 1,2 bis 1,5 Meter, viel Schnee, typischerweise um 40 bis 50 Zentimeter hoch.

Die nächsten Tage waren wir sehr mit dem Aufbau des Camps beschäftigt und dem Ausbringen der Instrumente. Das Camp besteht unter anderem 1) aus einem beheizten Zelt mit einem Loch im Eis, von dem aus ozeanographische Messungen durchgeführt werden, 2) einem Zelt (auch mit Loch im Eis) für die Taucher, die unter Wasser Instrumente ausbringen und 3) zwei GPS-Stationen, die uns helfen die Dynamik unserer Eisscholle zu verfolgen.

Während wir mit dem Schiff im Eis festgefroren sind, bewegen wir uns zusammen mit der Eisscholle - für uns unmerklich - mit der Eisdrift (Position heute: 82.3 Grad N, 14.5 Grad E). Zusätzlich verformt die Eisscholle sich auch selbst. Das sehen wir, wenn sich der Abstand der GPS-Stationen zueinander ändert.

Am 20. April war ich Teil eines Dreierteams, das mit dem Helikopter 20 Kilometer vom Schiff entfernt ausgesetzt wurde, um eine Schneeboje auszusetzen (misst zum Beispiel Schneedicke, Position und Luftdruck). Nach zweieinhalb Stunden wurden wir vom Helikopter abgeholt und zurück zum Schiff gebracht. Am selben Abend begann unsere Eisscholle teilweise aufzubrechen. Instrumente und Schneemobile in der Nähe des Schiffs mussten evakuiert und das Schiff repositioniert werden. Der Rest des Camps war aber nicht betroffen.

Am Morgen des 21. April bereitete ich mit zwei Kollegen auf dem Eis die kontinuierliche Vermessung der Eis-und Schneedicke eines Teils der Eisscholle vor, als wir auf unseren bisher ersten und einzigen Eisbären auf dem Eis trafen (abgesehen von denen, die wir vom Schiff aus während der Überfahrt gesehen haben). Er befand sich etwa 300 Meter von uns entfernt und wir mussten den Rückzug antreten.

Auf Grund des "Eisbär-Alarms" konnte ich leider nicht an dem für diesen Tag geplanten Helikopter-Flug zur Auslegung der CliSAP-Schneeboje teilnehmen. An meiner Stelle musste jetzt der Safety Officer persönlich die Auslegung begleiten. Bei der Auslegung unserer zweiten CliSAP-Schneeboje am Außenrand unseres Camps am 23. April konnte ich dann dabei sein.

Vom 21. bis 24. April hatten wir Besuch an Bord, dem wir unsere Arbeit erklärt haben: Journalisten vom BBC, vom norwegischen Fernsehen, die Umweltministerin Norwegens und Norwegens Prinzenpaar Haakon und Mette-Marit.

Viele Grüße aus dem Eis
von Nina Maaß

 

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