Ein Jahr Klimawandel auf Twitter, ein Jahr Trump im Zentrum der Aufmerksamkeit?

30.01.2018

Im Jahresrückblick der Twitter-Kommunikation 2017 zum Klimawandel analysierten WissenschaftlerInnen unter der Leitung von Prof. Michael Brüggemann vom CEN, welche Events die Twitter-Debatte zum Klimawandel anheizten und wohin die relevanten Tweets verlinkten.

2017 standen die meisten Tweeds zum Thema Klimawandel im Zusammenhang mit politischen Ereignissen in den USA - oder mit dortigen Extremwetterereignissen.
Top-Ten-Domains der vergangenen 365 Tage, auf die Tweets zum Thema Klimawandel. Stand: 19. Dezember 2017.

Die Analyse des Online Media Monitors (OMM) zeigt, dass die Zahl der Tweets zum Klimawandel  im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Auch im Jahr 2017 entfachen Donald Trumps Äußerungen und Amtshandlungen größtenteils die Kommunikation. Die Jahres-Spitzenwerte korrelieren vor allem mit klimapolitischen Ereignissen in den USA. Die meisten Tweets wurden am 2. Juni 2017 abgesetzt, einen Tag, nachdem US-Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klima-Abkommen verkündete. Am zweithäufigsten wurde nach Trumps Dekret, Obamas „Clean Power Plan“ für saubere Energie zu überprüfen, getwittert. Damit kippte der neue Präsident das Verbot der Kohleförderung und strich Expertenaussagen zu den wahren Kosten der Kohle-Emissionen. Als dritter Auslöser klimabezogener Tweets sticht Donald Trumps Amtseinführung heraus. Andere politische Ereignisse wie beispielsweise der Bonner Klimagipfel erregten im Gegensatz dazu kaum Aufmerksamkeit.

Neben politischen Ereignissen triggerten Extremwetterereignisse wie die Hurrikane Harvey und Irma im August und September viele Tweets. Ebenfalls im August provozierte die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Berichts eine Spitzenflut an Tweets. Die Studie zeigte, dass die Amerikaner bereits Auswirkungen des Klimawandels wahrnehmen. Dies verdeutlicht, dass wissenschaftliche Ergebnisse ebenfalls Twitterdebatten anstoßen können, wenngleich politische Ereignisse überwiegen.

Insgesamt ist bemerkenswert, dass fast ausschließlich US-amerikanische Ereignisse Beachtung fanden. Dies ist vor allem interessant, wenn man berücksichtigt, dass der Online Media Monitor nicht nur Tweets mit den Hashtags „#climatechange“, „climate change” oder „global warming“ erfasst, sondern auch das deutsche Wort „Klimawandel“.

Prof. Michael Brüggemanns Team untersuchte zudem, auf welche Quellen bzw. Domains die Tweets zum Klimawandel verlinken. Ein Blick auf die Top-Ten-Domains zeigt, dass das Gros der Tweets auf andere Tweets verlinkt. Abgesehen hiervon dienen journalistische Nachrichten-Webseiten als Informationsquellen. Die britische Tageszeitung Guardian nimmt dabei eine Hauptrolle ein, gefolgt von weiteren liberalen und progressiven Zeitungen wie die New York Times, Independent und Washington Post.

Konservative Nachrichtenseiten wie zum Beispiel Breitbart schaffen es interessanterweise nur in die Top 20. Unter den zehn Topquellen finden sich nicht nur klassische journalistische Medien, sondern auch innovative Nachrichten-Webseiten. Darunter ist Inside Climate News, eine pulitzerpreisgekrönte, überparteiliche Non-Profit-Nachrichtenorganisation, die sich der Berichterstattung über Klimawandel, Energie und Umwelt widmet. Oder Thinkprogress, eine redaktionell unabhängige Nachrichtenseite des Center for American Progress Action Fund. Auch Climatecentral zählt zu den zehn Topquellen. Sie wird sowohl von führenden Wissenschaftlern als auch Journalisten herausgegeben, die Fakten zum Klimawandel und seinen Folgen auf die Öffentlichkeit erforschen und darüber berichten.

Der Online Media Monitor (OMM) verfolgt laufend die länderübergreifende Diskussion über den Klimawandel in Onlinemedien. Seit fast zwei Jahren sammelt der OMM Tweets, die folgende Hashtags oder Stichworte enthalten: „#climatechange“ ODER „climate change“ ODER „global warming“ ODER „Klimawandel“. Weitere Kriterien sind, dass die Tweets mindestens 5 Retweets erhalten und wenigstens einen Link aufweisen.