CliSAP Workshop: Urbane Klimarisiken

18.12.2014

Ist die städtische Verwundbarkeit gegenüber Klimaphänomenen messbar? Und wenn ja, wie? Diese Fragen standen Ende November im Mittelpunkt des CliSAP Workshops „Urban climate vulnerability“, zu dem Prof. Jürgen Oßenbrügge und Dr. Benjamin Bechtel Fachkollegen aus Deutschland und Italien eingeladen hatten.

Französischer Fluss Loire ist ausgetrocknet durch Trockenheit im Sommer 2003 (Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/).
Hitzewelle 2003: Unterschied der Temperaturen im Juli 2003 zum Juli 2001 in Europa (Copyright: Reto Stockli, Robert Simmon, mit Daten des MODIS Land Science Team)
Workshop zu "Urban Climate Vulnerability" mit Experten aus Deuschland und Italien

Die Forscherinnen und Forscher tauschten sich über Methoden zur Bewertung der sogenannten Vulnerabilität und den Einfluss klimatischer, ökonomischer und demografischer Faktoren aus. Zusammengefasst beschreibt Vulnerabilität das Risiko, von Naturgefahren betroffen zu sein, sowie die Empfindlichkeit und die Anpassungsfähigkeit eines Systems wie beispielsweise einer Stadt. Ein Beispiel für solche Naturgefahren war die Hitzewelle im August 2003, die mehrere tausend Menschen das Leben kostete – vor allem in den Städten Süd- und Mitteleuropas.

„Die Verletzlichkeit von Städten rückt zunehmend in den Blickpunkt der Stadt- und Klimaforschung“, sagt Jürgen Oßenbrügge, Leiter der CliSAP Forschungsgruppe „Urbane Systeme – Versuchsgebiet Hamburg“. Gründe hierfür seien die bauliche Verdichtung deutscher und europäischer Großstädte und die zunehmende weltweite Verstädterung. Bislang gebe es aber noch kein allgemein anerkanntes Konzept für Vulnerabilität. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmer des Workshops deshalb Methoden, mit denen die Verwundbarkeit von Städten durch Klimaphänomene bewertet werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, möchten Stadtklima-Forscher künftig Klima-Rechenmodelle für urbane Regionen entwickeln.

Eine besondere Herausforderung dabei ist, Aspekte verschiedenster Fachgebiete miteinzubeziehen. Dazu zählen neben Klima auch Bebauung, Ökonomie, Demographie oder Soziologie. Viele dieser Faktoren werden jedoch nicht flächendeckend erfasst und sind in ihren Wechselwirkungen noch unklar. Hinzu kommen weitere Parameter wie Ausdehnung, Dichte, funktionale Gliederung und landschaftliche Besonderheiten. Alle beteiligten Faktoren verändern sich zudem unterschiedlich schnell.

„Während des Treffens wurde deutlich, dass es nicht den einen Ansatz gibt. Daher gilt es, sich zu zunächst auf regionale Fallstudien zu konzentrieren“, fasst Veranstalter Bechtel zusammen. „Diese sollten interdisziplinär erarbeitetet werden und lokale Akteure mit einbinden.“ So könnten Wissenschaftler zunächst die Risiken für eine bestimmte urbane Region abschätzen und daraus geeignete Anpassungsmaßnahmen ableiten. Langfristig können die Fallstudien wichtige Bausteine für allgemein geltende Modelle liefern.

Zu den Referenten des Workshops zählten neben den Veranstaltern Prof. Wilfried Endlicher von der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Hannes Taubenböck vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Giedrius Kaveckis, tätig in CliSAP und am Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) und Dr. Stefan Schneiderbauer vom italienischen EURAC Institut für Angewandte Fernerkundung.

Mehr Informationen: