CliSAP Workshop: Migration in Krisenzeiten

30.06.2015

Es gibt zwei wesentliche Ursachen für Flucht und Migration: Umweltzerstörung und globaler Klimawandel auf der einen Seite, politische Verfolgung und gewaltsame Konflikte auf der anderen. Wie sich menschliche Mobilität unter diesen Bedingungen gestaltet, stand im Fokus des internationalen Workshops der CliSAP Forscherinnen Dr. Christiane Fröhlich und Dr. Giovanna Gioli.

Dr. Giovanna Gioli und Dr. Christiane Fröhlich, die das Netzwerk „Gender, Conflict and Climate Change“ gründeten, eröffnen den Workshop.
Das Publikum hört zu.
Prof. Pinar Bilgin stellt ihre Analyse vor.
Dr. Giovanni Bettini diskutiert mit anderen Teilnehmern über seinen Vortrag.
Dr. Giulia Scalettaris (r.) vor ihrer Präsentation im Publikum.

Rund 40 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen am vergangenen Donnerstag und Freitag zum Workshop „Critical Perspectives on Human Mobility in Times of Ecological and Political Crisis“ an die Universität Hamburg. Sie brachten Ergebnisse aus der Feldforschung mit theoretischen Erkenntnissen aus verschiedenen, hauptsächlich sozialwissenschaftlichen Disziplinen zusammen.

Die Experten beschäftigten sich zum Beispiel mit Fallstudien zu Extremwetterereignissen und Migration in Asien und dem Pazifik, fragten nach der Rolle von Gender, wenn Menschen abwandern, und beleuchteten das Machtgeflecht, das auf Flüchtlinge wirkt.
 
Forschung mit kritischem Blick

Allen Vorträgen war der kritische Blick auf Forschung, politische Entscheidungen und die aufgeheizte öffentliche Diskussion über Flüchtlinge gemeinsam. Dabei ging es um eine Herangehensweise, die soziale Ungleichheiten und gesellschaftliche Machtbeziehungen hinterfragt. „Häufig bleibt der Ruf nach gendersensiblen Studien rein rhetorisch. Wir wollten daraus konkrete Schlussfolgerungen für das wissenschaftliche Arbeiten ziehen“, so Dr. Christiane Fröhlich.
 
Workshop im Ausschnitt: Drei Beiträge aus England, Frankreich und der Türkei

Prof. Pinar Bilgin von der Universität Bilkent in Ankara beleuchtete den innereuropäischen Diskurs über Migration im Mittelmeerraum. Die zahlreichen Toten hätten die Mittelmeerregion als Bedrohungsfaktor auf die Agenda der Europäischen Union gebracht.. Bilgin zeigte auf, dass europäische Akteure zunehmend gewaltsame Abwehrpraktiken einsetzten, etwa Flüchtlinge illegal auslieferten oder Boote abfingen. Gleichzeitig blieben Menschenrechtsverletzungen in Staaten am Südrand des Mittelmeeres unkritisiert.

Dr. Giovanni Bettini der Lancaster University sprach über das Konzept des „Klimaflüchtlings“ und darüber, wie sich ein alarmistischer Ton hin zu einem komplexeren Verständnis von klimabedingter Migration entwickelt hat. Anpassung und geplante Umsiedlung werden wichtiger. Bettini stellte aber auch die damit verbundenen Probleme vor: Flüchtlinge könnten dadurch als gut und schlecht angepasste Flüchtlinge wahrgenommen werden. Die einen bräuchten Hilfe, die anderen würden in Fluchtzielen beispielsweise als Erntehelfer wichtiger Teil der Wirtschaft.
 
Dr. Giulia Scalettaris von der Universität Lille begleitete für ihre Dissertation den Einsatz des UNO-Flüchtlingshilfswerks in Afghanistan von 2006 bis 2008. Sie berichtete von den Ergebnissen ihrer teilnehmenden Beobachtung.

Der Workshop war schon der dritte des von Fröhlich und Gioli initiierten und von CliSAP unterstützten Forschungsnetzwerks „Gender, Conflict and Climate Change“.

 



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