Christian Möllmann mit höchstem Preis des ICES geehrt

28.09.2017

Prof. Christian Möllmann hat den Outstanding Achievment Award des ‘International Council for the Exploration of the Sea (ICES)’ erhalten. Er ist der erste Deutsche in der Reihe der seit 2005 geehrten Preisträger. ICES ehrt damit seine exzellente wissenschaftliche Forschungsarbeit sowie deren Vermittlung.

Christian Möllmann ist Professor am Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft, Leitender Wissenschaftler beim Exzellenzcluster „Integrated Climate System Analysis and Prediction“ (CliSAP) und Mitglied des CEN. Im Gespräch erläutert er, wie der Ökosystem-Ansatz einen ganzheitlicheren Blick auf das Management von Fischereibeständen ermöglicht und warum sinkende Fischzahlen auch soziale Folgen für die betroffenen Gemeinden haben können.

Prof. Möllmann, Sie haben kürzlich den Outstanding Achievement Award des ICES für Ihre besonderen Verdienste um die Forschung des ICES erhalten. Welche Ihrer Arbeiten wurden mit diesem Preis gewürdigt?

Ich habe den Preis vor allem für meinen Beitrag zur Entwicklung des sogenannten „Ecosystem Approach to Fisheries“ bekommen habe. Dabei handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz zum Management von Fischereibeständen. In der Vergangenheit wurden die Bestände einzelner Fischarten isoliert beobachtet und im Anschluss die Fangquoten festgelegt. Dabei wurde weitestgehend außer Acht gelassen, wie sich diese Maßnahmen auf andere Aspekte des Ökosystems oder die Fischerei selbst auswirken.

Der neue Ansatz berücksichtigt jetzt auch Änderungen im gesamten Ökosystem, zum Beispiel durch den Klimawandel. Ein Beispiel für eine Fischart, die empfindlich auf höhere Temperaturen reagiert, ist zum Beispiel der Kabeljau. Hier muss die Änderung der Umgebung zum Beispiel bei der Festlegung der Quoten miteinbezogen werden. Umgekehrt werden neben dem Fischfang auch Auswirkungen von Windparks, Verkehr und Tourismus auf die Fischbestände mit einbezogen.

Welche Aspekte sind Ihnen in der Zusammenarbeit mit dem ICES besonders wichtig?

Ich möchte das Wissen über Ökosystemdynamik in den Managementprozess von Fischbeständen und im weiteren Sinne von marinen Ökosystemen besser einbringen. Der ganze „Ökosystemansatz“ ist immer noch nicht sehr weit entwickelt. Deswegen ist diese Arbeit für eine bessere, nachhaltigere Bewirtschaftung der weltweiten Fischbestände sehr wichtig.  

Auf welche Aspekte möchten Sie sich in Zukunft konzentrieren?

Mich interessiert zunehmend der sozial-ökologische Forschungsbereich. Im weiteren Sinne möchte ich die Kopplung zwischen Ökosystemdynamik und sozio-ökonomischen Entwicklungen in der Gesellschaft betrachten. Wenn durch geringere Fangquoten mehr Fischer ihr Gewerbe aufgeben, hat das zum Beispiel häufig auch weitergehende Folgen für die Küstenorte. So zum Beispiel in unserem aktuellen Projekt, dass die Dorsch-Fischerei in der westlichen Ostsee untersucht. Aufgrund des stark zurückgegangenen Dorsch-Bestands geben dort viele Fischer auf. Dadurch fallen nicht nur unmittelbar in der Fischerei Arbeitsplätze weg, sondern die Küstenorte verlieren durch weniger Fischerboote in den Häfen zum Beispiel auch einen Teil ihrer Attraktivität für Touristen. Die Untersuchung dieser Aspekte ist für mich die logische Weiterentwicklung des Ökosystemansatzes für das Fischereimanagement. 

Interview: Lisa Wolf

Pressemitteilung des ICES