Cairo Climate Talks: CliSAP-Experte spricht in Ägypten über Küstenschutz

22.06.2015

Ägyptens dicht besiedelte Küsten erstrecken sich über 3500 Kilometer. Von einem Anstieg des Meeresspiegels wären sie besonders stark betroffen. Wie lassen sich diese empfindlichen Gebiete vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen? Zu dieser Frage gab CliSAP-Forscher Dr. Michael Link seine Einschätzung im Rahmen der „Cairo Climate Talks“. Die internationale Tagung der Deutschen Botschaft in Kairo widmete sich Anfang Juni zwei Tage lang dem integrierten Küstenmanagement.

Nur ein Baustein des Küstenschutzes: Auch nahe Alexandria werden Wellenbrecher eingesetzt.
Mohamed Bayoumi, Dr. Michael Link und Dr. Khaled Kheir El Deen (v.l.n.r.) diskutieren Ägyptens Küstenschutz.

Stiege der Meeresspiegel an den Küsten des südöstlichen Mittelmeeres um einen Meter, müssten Tausende Menschen umgesiedelt werden. Wichtige Industriestandorte in Hafenstädten wie Alexandria, Damietta oder Port Said wären betroffen. Ebenso das Nildelta, die Kornkammer des Landes. Die Kosten wären immens. Um die Folgen abzumildern, müssten die Küsten durch eine Reihe verschiedener Maßnahmen geschützt werden.

Konfliktforscher Link zeigte Wege auf, wie sich der erfolgreiche Küstenschutz am deutschen Wattenmeer auf die Anforderungen in Ägypten übertragen lässt. „Eine geschlossene Deichlinie ist für das Nildelta allerdings keine Option. Eher sollten natürliche Phänomene – wie zum Beispiel die Dünenbildung – und verschiedene technische Maßnahmen miteinander verknüpft werden.“

Eine fundierte Planung ist hierfür unerlässlich. „Es liegen bereits ägyptische Entwürfe für ein integriertes Küstenmanagement vor. Doch an der Umsetzung hapert es“, so Link. Das Land befindet sich im Umbruch und steht vor zahlreichen Herausforderungen: Ägypten sucht den Weg aus der Diktatur zwischen Islam und Demokratie. „Vor dem Hintergrund religiöser und politischer Konflikte ist es sehr schwierig, Verfahren, Regeln und Strukturen vor Ort zu etablieren“, sagt Link. Für das dringend notwendige integrierte Küstenmanagement sind diese jedoch unerlässlich.