Betriebswirte und Ingenieure entscheiden beim Emissionshandel unterschiedlich

17.02.2016

Ob Unternehmen in den Klimaschutz investieren, hängt davon ab, ob Betriebswirte oder Ingenieure für den Emissionshandel zuständig sind. Das belegen CliSAP Forscher mit einer neuen Studie.

Die Wissenschaftler haben untersucht, wie die Firmen den Handel mit den Verschmutzungszertifikaten organisieren.
Der Emissionshandel ist trotz Kritik das zentrale Klimaschutzinstrument in der EU.

Es gibt genau einen politischen Mechanismus, mit dem in Europa erreicht werden soll, dass weniger Kohlendioxid und andere Treibhausgase ausgestoßen werden: den Emissionshandel1. Er wurde 2005 eingeführt und ist trotz Kritik  das zentrale Klimaschutzinstrument in der EU. Damit ist die EU Vorreiter eines möglichen weltweiten Systems.

Welche Firma wie viele Zertifikate gekauft und wie viele verbraucht hat, ist online ist für jeden einsehbar. Wie der Emissionshandel in den einzelnen Firmen aber tatsächlich organisiert ist, kann aus diesen Zahlen nicht abgelesen werden. Dafür mussten Hamburger Forscherinnen und Forscher in den Unternehmen selbst fragen.

Das haben Miguel Rodriguez Lopez, Anita Engels und Lisa Knoll für die Pilotphase des europäischen Emissionshandels von 2005 bis 2007 getan: Welche Abteilung ist zuständig? Wann wurden Emissionszertifikate während des Jahres eingekauft oder verkauft? Welche technischen Lösungen werden verwendet, um die CO2-Emissionen zu reduzieren? Daraufhin haben sie 1270 Fragebögen aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden ausgewertet. Mit ihren Ergebnissen füllen sie eine Leerstelle, was das Wissen über den Handel mit den Zertifikaten betrifft.

Sozialwissenschaftliche Forschung deckt Leerstelle im Emissionshandel auf

Ihr zentrales Ergebnis: Die Entscheidungen beim Emissionshandel werden anders getroffen, je nachdem, ob die technische Abteilung oder die Finanzabteilung zuständig ist. Ingenieure versuchen eher, die Produktion zu optimieren und CO2-Emissionen einzusparen. Betriebswirte tendieren dazu, Emissionszertifikate zu kaufen und weiterhin viel Kohlendioxid zu emittieren.

Die ökonomische Theorie besagt eigentlich, dass allein Preis und Menge der Zertifikate zu weniger CO2 in der Luft führen sollten. Offensichtlich gibt es aber noch andere Faktoren. Zum Beispiel, wer über den Kauf von Zertifikaten entscheidet.

Rodriguez Lopez und seine Kolleginnen folgern daraus, genau bei den Zuständigen anzusetzen – und die Informationen zum Emissionshandel je nach Zielgruppe unterschiedlich aufzubereiten. Betriebswirte sollten lernen, eine langfristige Investition für Klimaschutzmaßnahmen in ihre kurzfristigen Kaufentscheidungen einzubeziehen. Wichtig ist, diesen Aspekt in anderen Ländern gleich mitzudenken. Zum Beispiel hat sich China dafür entschieden, auch ein Emissionshandelssystem einzuführen und orientiert sich am europäischen System. China hat also die Chance, aus den europäischen Fehlern zu lernen und es gleich besser zu machen.

 

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1. Hinweis: externes Erklärvideo; Foto: Kohlekraftwerk in Datteln (Arnold Paul/via Wikimedia Commons/CC-BY-SA-2.5), Ausschnitt