Antrittsvorlesung: Wie Klimawandel den Journalismus verändert

23.10.2015

Das Schreiben über den Klimawandel stellt Journalisten vor Herausforderungen. Welche das sind, erläuterte Michael Brüggemann vergangene Woche in seiner Vorlesung. Damit hat der Kommunikationswissenschaftler offiziell seine Professur an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg angetreten. Er leitet die CliSAP Forschungsgruppe "Mediale Konstruktionen des Klimawandels".

Brüggemann also showed CliSAP researchers in the media

Gleich zu Beginn betonte CliSAP Sprecherin Anita Engels, dass Brüggemann eine besondere Professur innehat: „Die Spezialisierung ist einzigartig in Deutschland und bestärkt Hamburg als deutsche Hauptstadt der Klimaforschung.“ Schließlich ist er namentlich „Professor für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Klima- und Wissenschaftskommunikation“. Auch Gabriele Löschper, Dekanin der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät, hob die Bedeutung der Berufung von Brüggemann für das Profil ihrer Fakultät hervor. Durch die enge Kooperation von Brüggemann mit dem Exzellenzcluster CliSAP und dem Centre for Globalisation and Governance als Teil des CEN wird die Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften weiter gestärkt.

Wissenschaftliche und journalistische Ausbildung

Der in Zürich habilitierte Wissenschaftler kennt Hamburg schon aus der Zeit seiner Promotion, die er mit summa cum laude abschloss. Zu seiner wissenschaftlichen Qualifikation kommt eine praktische hinzu: Brüggemann hat eine Ausbildung an der renommierten Deutschen Journalistenschule in München durchlaufen und mehrere Jahre redaktionelle Erfahrung gesammelt. Nach seiner Zeit in der Schweiz ist der am Tag seiner Antrittsvorlesung 39 Jahre alt gewordene Forscher nun in den Norden zurückgekehrt.

Im Vortrag bot er Einblicke in seine Forschungsergebnisse zum Thema Klimakommunikation und Journalismus und erläuterte diese mit aktuellen Beispielen. Eines davon war ein Tagesschau-Beitrag über die 10. Deutsche Klimatagung im September. In dem Beitrag wurden rein klimawissenschaftliche Äußerungen in einen politischen Zusammenhang eingeordnet, im Nachhinein also politisiert – laut Brüggemann eine der normalen Routinen des Journalismus. Doch für Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ein Problem, denn ihnen geht es ja häufig darum, ihre Ergebnisse nicht politisch zu deuten.

Norm der Ausgewogenheit – Fluch für den Klimajournalismus?

Eine andere Norm des Journalismus, die zu Schwierigkeiten beim Schreiben über Klimawandel führt, ist die der Ausgewogenheit: Zu einem Streitfall sollten immer Pro- und Kontra-Seite gehört werden. Das führt im Fall des Klimawandels jedoch dazu, dass erfahrene Klimawissenschaftler und sogenannte Skeptiker oft gleichberechtigt gegenübergestellt werden. Brüggemann hatte jedoch ein Beispiel für einen interessanten Umgang mit diesem Problem dabei: Er zeigte einen Ausschnitt der US-Talkshow von John Oliver, die für die Verbindung von aufwendiger Recherche mit Satire bekannt ist. Oliver veranschaulicht die oft falsche Balance zwischen Skeptikern und Warnern in der Berichterstattung mit einer zahlenmäßig repräsentativen Einladung von Experten, so standen am Ende drei Skeptiker 97 Klimawissenschaftlern gegenüber.

Wie verändert das Thema Klimawandel nun den Journalismus? Diese Frage hat Brüggemann in einem Forschungsprojekt an der Universität Zürich untersucht. Dafür analysierte er die Klimaberichterstattung aus fünf Ländern und kombinierte sie mit einer Journalistenbefragung. Er fand heraus, dass sich ein bewusster Umgang mit Klimaskeptikern etabliert und diese von den Journalisten nur noch selten ohne kritische Einordnung zitiert werden. Ein Leugnen des menschengemachten Klimawandels existiere nur noch in medialen Nischen. Zusätzlich würden sich Journalisten durch umfangreiches Wissen immer mehr der wissenschaftlichen Community annähern – was die Forschenden jedoch nur teilweise akzeptierten.

Kommunikationswissenschaftler kommentieren Berichterstattung zu COP21

Für die Zeit der anstehenden Klimaverhandlungen in Paris, plant Brüggemann mit seinem Team einen Watch-Blog zur Berichterstattung über den Gipfel. Klimakommunikationsexperten werden während der Konferenz die Medienbeiträge hierzu kommentieren. Dabei wird auch der bei CliSAP entwickelten Medienmonitor das erste Mal zum Einsatz kommen. Brüggemann möchte so die Distanz zwischen Forschung und medialer Öffentlichkeit auch von wissenschaftlicher Seite her verringern.

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