An Bord der METEOR: Forscher untersuchen Unterseevulkane im Azoren-Archipel

15.01.2015

Eine internationale Expedition an Bord des Forschungsschiffs METEOR führt zurzeit Messungen im Azoren-Archipel durch. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen herausfinden, welche Gefahren von Unterwasservulkanen und unterseeischen Schlammlawinen im Atlantik ausgehen. Geleitet wird die Expedition von Prof. Christian Hübscher vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg. Daneben sind die Universitäten Erlangen, Lissabon, Athen und Paris (Süd) beteiligt.

FS METEOR vor der Nordküste Sao Miguels
Wissenschaftler und Crew bringen ein 600 Meter langes seismisches Messsystem aus
Spiegelei auf dem Grund: Die seltene Meeresbodenstruktur "Fried Egg" anhand von Fächerlot-Daten

Die Expedition startete am 29. Dezember von São Miguel, der größten der neun Azoreninseln. Erste Ergebnisse von Sedimententnahmen südöstlich von São Miguel legen nahe, dass die Unterwasservulkane in diesem Bereich nicht mehr aktiv sind. „Auch in der Princessa Alice Bank, einem Seeberg weiter westlich, konnte keine vulkanische Aktivität festgestellt werden“, so Hübscher.

Der Geophysiker und sein Team gehen außerdem der Frage nach, ob abrutschende Hänge an der Steilküste der Insel Pico in der Vergangenheit Tsunamis ausgelöst haben. „Welche Risiken es birgt, wenn Teile von einer solchen Steilküste abrutschen, hängt nicht nur vom Volumen des abbrechenden Materials ab. Es spielt auch eine Rolle, wie abrupt der Hang abrutscht und wie schnell die Abbrüche aufeinander folgen“, so Hübscher. Um abzuschätzen, welche Gefahr die Steilküste von Pico birgt, untersuchen die Wissenschaftler Spuren vergangener Abbrüche unter Wasser mit einem sogenannten Fächerlot sowie einer reflexionsseismischen Methode, mit der Querschnitte durch den Meeresboden abgebildet werden können.

Während der Forschungsarbeiten sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch auf eine ungewöhnliche Struktur am Meeresboden gestoßen: Ein kreisförmiger Krater, in dessen Mitte sich ein Hügel erhebt.  Diese seltenen Unterwasserstrukturen werden informell als „Fried Egg“, also „Spiegelei“ bezeichnet. Bisher wurde vermutet, dass  es sich dabei um Spuren von 17 Millionen Jahre alten Meteoriteneinschlägen handelt. „Diese Hypothese  können wir mittlerweile ausschließen“, so Hübscher. „Noch diskutieren wir hier an Bord unterschiedliche Alternativmodelle, aber wir sind optimistisch, die Entstehung dieser markanten Strukturen bald verstanden zu haben“.

Mehr Informationen:
Expeditionsberichte vom Forschungsschiff METEOR