Abkühlung im Winter über Eurasien während des Erwärmungsplateaus 1998–2012

07.10.2015

Chao Li, Bjorn Stevens und Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) haben die relativen Größenordnungen der Beiträge von Temperaturtrends aus verschiedenen Breitenbereichen zum aktuellen Erwärmungsplateau untersucht. Die neue Studie über “Eurasian winter cooling in the warming hiatus of 1998–2012” wurde in den Geophysical Research Letters veröffentlicht.

Abb. 1: Skalierter beobachteter zonal gemittelter Trend der Bodentemperatur in verschiedenen Breitenbereiche. (a) und (b) für das Jahresmittel, (c) und (d) für DJF, (a) und (c) für die Periode 1984–1998, (b) und (d) für die Periode 1998–2012.

Die Autoren bestätigen mit fünf verschiedenen Datensätzen, dass der global gemittelte Trend der Bodentemperaturen in der Zeit von 1998 bis 2012 stark von einem deutlichen ausgeprägten Abkühlungstrend über Eurasien beeinflusst wurde (Abb. 1). Dieser Abkühlungstrend wurde in einer maßgeblichen Modellstudie, die den größten Anteil der Abkühlung im tropischen Pazifik findet, nicht reproduziert, und mag demzufolge andere Ursachen haben.

Der Meereisverlust in der Arktis über mehrere Jahre hinweg wurde schon als Einflussfaktor für die eurasischen Wintertemperaturen aufgezeigt, aber ob ein solcher Einfluss auf das derzeitige Plateau wirkt, blieb bisher unklar. Um die Antriebe dieses Abkühlungstrends im Winter zu verstehen, haben die Autoren drei Ensemblerechnungen mit jeweils zwanzig Läufen mit unterschiedlich vorgeschriebenen Meeresoberflächentemperaturen und Meereisbedeckungen mit dem Atmosphärenmodell ECHAM6 durchgeführt.

Die Ergebnisse legen nahe, dass der arktische Meereisschwund keine systematischen Änderungen in der großskaligen Zirkulation der Nordhemisphäre in den letzten Dekaden bewirkt hat. Der beobachtete Abkühlungstrend im Zeitraum von 1998 bis 2012 kommt hauptsächlich durch die interne atmosphärische Variabilität zustande und stellt ein extremes Klimaereignis dar. Allerdings verstärkt der beobachtete Rückgang des arktischen Meereises die Variabilität des eurasischen Klimas im Winter und erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen extremen eurasischen Abkühlungstrend im Winter.

Die Arbeit wurde durch den Exzellenzcluster ‘CliSAP’, Universität Hamburg, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Zusätzliche Förderung erfolgte durch die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Alle Modellsimulationen wurden auf den Hochleistungsrechnern des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) durchgeführt.

Originalveröffentlichung
Li, C., B. Stevens, and J. Marotzke (2015): Eurasian winter cooling in the warming hiatus of 1998-2012. Geophysical Research Letters, doi: 10.1002/2015GL065327.

Kontakt
Dr. Chao Li
Max-Planck-Institut für Meteorologie
Tel.: 040 41173 458
E-Mail: chao.li@mpimet.mpg.de