3 Fragen an ... Prof. Dr. Jürgen Scheffran

21.07.2017

Sind Windräder Fluch oder Segen? Und wie muss die Infrastruktur angepasst werden, um erneuerbare Energien weiter ausbauen zu können? Dies sind einige der Fragen rund um den Ausbau erneuerbarer Energien, die im Zentrum der Konferenz „Energielandschaften Norddeutschland“ standen, die am 17. Juli zum zweiten Mal an der Universität Hamburg stattfand. Prof. Dr. Jürgen Scheffran, Prof. Dr. Jürgen Böhner und Prof. Dr. Hermann Held vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg, organisierten diese Konferenz zusammen mit dem Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH).

Prof. Jürgen Scheffran ist einer der drei Organisatoren der Konferenz "Energielandschaften Norddeutschland".

Herr Scheffran, wie kamen Sie vergangenes Jahr auf die Idee, eine Konferenz zum Thema „Erneuerbare Energien“ ins Leben zu rufen?

Mich bewegt schon länger die Frage, wie sich der Übergang in eine nachhaltige Energieversorgung auf die Nutzung und Gestaltung von Landschaften auswirkt. Erneuerbare Energiequellen aus Biomasse oder Windkraft haben einen hohen Flächenbedarf. Dadurch kann es zu Konflikten zwischen konkurrierenden Formen der Landnutzung kommen. Im CEN untersuchen wir die technischen und ökonomischen Aspekte sowie Standortfaktoren und politische Rahmenbedingungen. Zum einen bestimmen die geografischen und physikalischen Merkmale eines Gebiets, ob eine Fläche für erneuerbare Energien geeignet ist. Zusätzlich müssen sie aber auch in die Landschaft integriert und von der Bevölkerung vor Ort akzeptiert werden. Bei der Konferenz „Energielandschaften Norddeutschland“ verknüpfen wir diese Fragestellungen miteinander und bringen verschiedene Akteure aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen, um Konfliktpotenziale und Lösungen zu diskutieren.

Nehmen die Konflikte rund um den Ausbau erneuerbarer Energien zu?

Anfangs wurde die Energiewende stark durch Bürgerinnen und Bürger getragen, insbesondere durch die Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung. Inzwischen werden Eingriffe in die Landschaft durch den Ausbau erneuerbarer Energien auch kritisiert. Dabei ist der Landschafts- und  Naturschutz ein kontroverses Thema, wenn zum Beispiel Vögel durch den Bau von Windrädern gestört werden. Zudem kommt es zu Konkurrenzsituationen, wenn Flächen sowohl für erneuerbare Energien, als auch für den Nahrungsmittelanbau geeignet sind. Ziel ist, diese Energieträger sozial- und naturverträglich zu gestalten. Um sie zu beurteilen, muss auch der Vergleich mit fossilen und nuklearen Energiesystemen im Blick behalten werden: Auch sie verändern die Umwelt und bergen erhebliche Risiken und Konflikte.

Welchen Beitrag kann die Konferenz Energielandschaften hier leisten?

Im Rahmen der Tagung ging es darum, wissenschaftliche Modelle und Szenarien von Energielandschaften vorzustellen, um die Folgen und Bedingungen einer Energiewende zu analysieren. Es wurde deutlich, dass es auf die zugrundeliegenden Annahmen und Kriterien ankommt, die jeweils ganz unterschiedlich von Politik und Gesellschaft gesetzt werden können. Daraus gilt es, den jeweils optimalen Energiemix zu bestimmen. Konkret geht es darum, Windkraftanlagen in eine Landschaft einzubetten, effiziente Infrastrukturen im Verhältnis von Stadt und Land aufzubauen oder durch einen intelligenten Stromverbrauch Produktion und Konsum zum Ausgleich zu bringen. Um hier Konflikte zu verringern, ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess erforderlich, der verschiedene Parteien an einen Tisch bringt. So diskutierten auf der Tagung Energiebetreiber und Entscheidungsträger mit Vertretern aus Wissenschaft und Umweltverbänden über Energiekonflikte und mögliche Lösungen.

Interview: Lisa Wolf

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Konferenz "Energielandschaften Norddeutschland 2017"