Das Meer wird wärmer – auch die Nordsee

26.01.2017

Neues aus der Klimaforschung: Einmal im Monat berichten Klimaforscher im Hamburger Abendblatt über aktuelle Erkenntnisse. Corinna Schrum ist Ozeanographin und untersucht, wie der Klimawandel die Nordsee verändert.

Auch die Fischerei muss sich auf Veränderungen in der Nordsee einstellen.
Prof. Dr. Corinna Schrum

Wie verändert der Klimawandel die Nordsee? Vom Wattenmeer im Ärmelkanal bis zu den Steilküsten der Shetlandinseln forschen Wissenschaftler zu diesem Thema. Ich selbst untersuche mit meinen Kolleginnen und Kollegen vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht, wie Meere und Küsten regional beeinflusst werden. Zusammen mit internationalen Forschern haben wir jetzt das aktuelle Wissen für den gesamten Nordseeraum in einem Bericht zusammengefasst. Ein wahrer Schatz für mich als Ozeanografin und für alle, die Entscheidungen treffen. Denn wie sich der Meeresspiegel ändert, hat beispielsweise Einfluss auf die Planungen im Küstenschutz. Und für die Fischerei ist es wichtig, welche Fischarten abwandern und welche hinzukommen. So schwimmen etwa in der Nordsee heute mehr Sardellen, da das Wasser wärmer wird.

Die Analysen zeigen: Der Meeresspiegel der Nordsee steigt kontinuierlich an, und zwar in den vergangenen 100 Jahren um rund 15 Zentimeter. Gleichzeitig ist das Meer seit Ende der 1980er Jahre deutlich wärmer geworden. Zwar gibt es seit Beginn der Aufzeichnungen stets natürliche Schwankungen in der Temperatur. Doch in den vergangenen 30 Jahren hat sich die Nordsee im Mittel um 1,5 Grad Celsius erwärmt – dies ist deutlich höher als frühere Werte. Ob allerdings der Ausstoß von Treibhausgasen dafür verantwortlich ist, lässt sich aus den Beobachtungsdaten nicht herauslesen.

Den Ursachen können wir aber mit regionalen Klimamodellen auf die Spur kommen. Sie beschreiben die physikalischen Abläufe im System Nordsee möglichst genau mit mathematischen Gleichungen. In diese Modelle kann ich zum Beispiel globale Klimaänderungen durch unterschiedlich hohe Werte von Treibhausgasen einspeisen. Ändern sich daraufhin die Ergebnisse, sind steigende Emissionen offensichtlich die Ursache. So erwarten wir, dass sich die Nordsee bis zum Jahr 2100 weiter erwärmen wird und der Meeresspiegel weiter steigt. Wir gehen auch davon aus, dass das Meer saurer wird, der Salzgehalt abnimmt und weniger Plankton produziert wird.

Doch in welcher Stärke die Effekte genau eintreten werden, ist schwer vorherzusagen. Ein Beispiel: Für die Nordsee zeigen regionale Rechenmodelle bis zum Jahr 2100 einen Anstieg des Meeresspiegels zwischen 30 und 100 Zentimetern. Eine erhebliche Spanne, die sich aus mehreren Unbekannten zusammensetzt: Einerseits gibt es Unsicherheiten in den Modellen selbst. Auch wissen wir nicht, wie viele Treibhausgase tatsächlich in Zukunft ausgestoßen werden. Außerdem können wir den Eintrag von Süßwasser aus schmelzenden Gletschern schwer abschätzen. Hinzu kommen tektonische Veränderungen, bei denen sich das Land lokal hebt oder senkt – all diese Faktoren haben ebenfalls Einfluss auf die Höhe des Meeresspiegels.

Veränderungen werden also kommen, nur wie stark? Wir werden die Modelle weiter verfeinern, um noch genauere Aussagen machen zu können.

Kontakt Prof. Dr. Corinna Schrum

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