"Scientific Career and Parenthood 2015": Bewährte Strategien und neue Perspektiven

Lebhafte Diskussion mit dem Publikum.

"Denkt nicht immer so viel nach, denn beim Thema Kind und Karriere ist nicht immer alles planbar!", so einer der Ratschläge der Podiumsgäste bei "Scientific Career and Parenthood". Dennoch bleibt Karriere mit Kindern vor allem eines: ein interdisziplinäres Projekt, bei dem die Ansprüche vieler Partner koordiniert werden müssen.

„Die Vereinbarkeit von Familie und Karrierewegen ist und bleibt ein relevantes Thema, das Wissenschafts-Karrieren und unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflusst – auf unserem Campus und über seine Grenzen hinweg,“ sagt Marie Lutz, Referentin für Gleichstellung am CUI, die den Informations- und Diskussionsabend im CFEL moderierte. Zusammen mit Wiebke Kircheisen (Geschäftsführerin SFB 676), Nicolli Povijac (Gleichstellungsreferentin CliSAP) und Carolin Steinat (Leiterin Familienbüro) hatte sie den Abend organisiert, der sich bewusst an eine breite Zielgruppe wandte. Das Publikum des Abends: Ein Querschnitt der akademischen Karriereleiter, das Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Forschungsinstitute und -institutionen vereinte, um in offener Atmosphäre Hindernisse und Möglichkeiten zu diskutieren. Entsprechend umfassend war der informative Teil des Abends. Vertreterinnen des Personalbereichs der Universität Hamburg und des DESY lieferten Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen zu Mutterschutz und Elternzeit. Dabei wurde auch erstmals ein ganz neues Tool vorgestellt, mit dem DESY auf die Fragen der Vereinbarkeit reagiert: Mit „Stay in Touch“ können sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen während der Elternzeit gezielt zu Themen am Arbeitsplatz informieren. Trotz Abwesenheit bleiben die Eltern so auf dem aktuellen Stand der Arbeitsgruppe – der Kontakt zum Arbeitsplatz wird gefördert und vereinfacht.

Unterschiedliche Strategien

Die Podiumsgäste stehen Rede und Antwort.

Die anschließende Podiumsdiskussion bot Raum für die Vorstellung individueller Strategien: Benjamin Bechtel (PostDoc, CliSAP), Lana Casselmann (MSc, Graudiertenkolleg 1670), Ulrike Frühling (Jun.Prof., CUI) und Lukas Vanelderen (PostDoc, SFB 676) waren sich einig, dass die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familienleben eine gute Selbstorganisation und eine permanente Abstimmung mit dem Arbeitsumfeld erfordert. Wichtig seien dabei vor allem die Flexibilität der Gruppenleitung bei der Nutzung von Modellen wie Home Office und Vertrauensarbeitszeit, aber auch die eigene Disziplin bei der klaren Trennung von Arbeitszeit und Familienzeit – eine Aufgabe, vor der inzwischen beide Elternteile stehen: „Männer in Elternzeit werden heute immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Die Absprache mit einem gleichberechtigten Partner ist daher umso wichtiger“, sagte Benjamin Bechtel.

Und noch mehr als das: „In einem System, in dem Karrieren immer noch darauf basieren, dass einer dem anderen zuhause den Rücken frei hält, was bei der Familiengründung aufgrund z.T. altersbedingter Gehaltsunterschiede meist die Frau ist, gibt es keine wirksamere Karriereförderung für Frauen als ein Vater in Elternzeit“, betonte Mitorganisatorin Wiebke Kircheisen.

Auslandsaufenthalte und kurze Arbeitsverträge

Aber auch die Arbeitgeber sind weiter gefragt: Herausforderungen beim gleichberechtigten Vereinbarkeitsmanagement bleiben strukturelle Maßgaben wie befristete Arbeitsverträge und der Stellenwert der (inter-) nationalen Mobilität in der Wissenschaftskarriere – eine Vorgabe, die zumindest auf höherer Ebene der Karriereleiter neu definiert wird. So sind Hausberufungen von Juniorprofessoren und Juniorprofessorinnen der Universität Hamburg auf die attraktiven, unbefristeten Professuren seit diesem Jahr möglich. Denn Eltern in der Wissenschaft brauchen vor allem eines: Perspektiven und verlässliche Partner.

 

Alle Infos und Präsentationen finden Sie unter:
https://indico.desy.de//event/SCaP2015

 

 


Mit freundlicher Genehmigung des Exzellenzclusters CUI.